Dow Jones
Die alten Regeln der Wall Street

Wer im elitären 30er-Klub des Dow Mitglied sein darf, entscheidet ein Anachronismus der Börsenwelt: Anhand grober Richtlinien entscheidet der Chefredakteur des Wall Street Journals (WSJ) über die Repräsentanten der US-Wirtschaft. Dies bringt den Dow immer wieder in die Kritik.

NEW YORK. Der Dow Jones Industrial Average ist Gradmesser für den Aufstieg der USA zur Wirtschaftsmacht, Synonym für Wohl und Wehe an der Wall Street und dennoch ein Anachronismus der Börsenwelt. Denn der 1896 vom Journalisten Charles Dow erstmals mit 40,94 Punkten berechnete Index funktioniert bis heute nach tradierten Regeln, die andere moderne Börsenbarometer längst hinter sich gelassen haben.

So entscheidet immer noch der Chefredakteur des im Verlagshaus Dow Jones erscheinenden Wall Street Journals (WSJ) anhand grober Richtlinien darüber, wer im elitären 30er-Klub, der die US-Wirtschaft repräsentieren soll, Mitglied sein darf. Diese Tradition verbietet nicht nur die Anwendung schnöder, aber transparenter Arithmetik wie etwa beim Dax. Sie bringt den Dow auch immer wieder in die Kritik. So ließ sich WSJ-Chef Robert Thomson zuletzt viel Zeit, bis er die angeschlagenen Dow-Mitglieder AIG, Citigroup und General Motors (GM) ersetzte. Der Bankrott des Autoherstellers GM und die Staatsbeteiligung an der Großbank Citi sowie der Versicherung AIG hätten ihm keine Wahl gelassen, erklärte er beinahe entschuldigend. GM war seit 1923 Teil des Index. Dafür rückten der Nahrungsmittelhersteller Kraft Food, der IT-Konzern Cisco sowie die Versicherung Travellers Corp nach. Lediglich 27 Änderungen gab es seit 1976 im Dow. Wenig im Vergleich zum Dax, wo seit seiner Gründung im Jahr 1988 bereits 29 Unternehmen von anderen ersetzt wurden. Zwischen November 1999 und April 2004 und erneut von November 2005 bis Februar 2008 gab es im Dow überhaupt keine Wechsel. Trotzdem gibt es nur noch ein Dow-Mitglied aus der Gründerzeit, den Mischkonzern General Electric (GE).

Dass der Dow trotz aller Kritik einen besonderen Stellenwert hat, zeigte die Medienreaktion auf Verkaufs-Pläne von Dow Jones-Eigner Rupert Murdoch. Tagelang beschäftigte die Meldung die Wirtschaftspresse weltweit, obwohl das Indexgeschäft in Murdochs globalen Medienimperium finanziell eine untergeordnete Rolle spielt.

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