Drohende Schließung des Parketts
Börse sucht Kompromiss

Die Deutsche Börse strebt nach dem verlorenen Gerichtsverfahren gegen den Makler Renell eine zügige Neuverteilung der Maklerarbeitsplätze am Frankfurter Parkett an. Eine drohende Schließung soll so verhindert werden. Gleichzeitig legt sie Beschwerde beim hessischen Verwaltungsgerichtshof ein.

ben/rob FRANKFURT. „Wir wollen die Sache höchstrichterlich klären lassen“, sagte ein Börsensprecher am Donnerstag. Renell hatte gegen die Nichtberücksichtigung bei der Arbeitsplatzvergabe geklagt und Recht bekommen. Bei den nun diskutierten Lösungen zeichnet sich ab, dass er sein Ziel vorläufig erreicht.

Im Blickpunkt steht die Verteilung der 821 Betreuermandate (Skontren) für Aktien auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) an 21 Makler. Renell hatte mit seiner Klage gegen Nichtberücksichtigung mit der Begründung Recht bekommen, die Börse greife in das von der Verfassung geschützte Recht auf Berufsfreiheit ein. Daher muss die FWB die Skontren bis zum 26. März neu verteilen, sonst muss sie das Parkett schließen.

Das oberste FWB-Gremium, der Börsenrat, hat nun am Donnerstag mehrere Verteilungsschlüssel diskutiert. Favorisiert wird nach Aussagen von Teilnehmern folgende Variante: Jeder Makler bekommt zwei Prozent der Skontren, die übrigen werden wie bisher nach Leistungskriterien verteilt. Diese hatte Renell bislang nicht erfüllt. Die Kontrolle der Leistung, dazu gehört die Geschwindigkeit bei der Kursfeststellung, ist der Börse wichtig, weil sie so die Wettbewerbsfähigkeit des Parketts gegenüber anderen Börsen sicherstellen will. Eine endgültige Entscheidung will der Börsenrat am 21. März treffen. Die Börse Stuttgart geht einen anderen Weg als Frankfurt zur Leistungskontrolle auf dem Parkett. Sie setzt auf ein Konzernunternehmen als Makler.

Die Querelen um Renell waren am Donnerstag am Parkett nicht das allein bestimmende Thema. Diskutiert wurde auch der Rücktritt von Organisationsvorstand Matthias Ganz und Finanzvorstand Mathias Hlubek. Sie machen damit den Weg frei für eine Neuordnung der Führungsstruktur entlang den Sektoren Aktienhandel, Terminmarkt und Wertpapierabwicklung. Im Aufsichtsrat wurde der Schritt begrüßt: „Wenn wir den Vorstand entlang den Segmenten strukturieren wollen, muss man auch Leute haben, die das leben wollen“, sagte ein Mitglied.

Börsenchef Reto Francioni kann nun die von Vorgänger Werner Seifert aufgebaute Führungsstruktur, die Zuständigkeiten quer durch die Sektoren vorsieht, umbauen. „Das ist auch gut so, wir haben zuletzt zu lange für Entscheidungsprozesse gebraucht“, sagte ein Börsenmanager. Neben Francioni wird es auch in Zukunft fünf Vorstände geben. Das Ressort Organisation wird aufgeteilt. Erzwungen wird dies unter anderem von Hedge-Fonds unter den Aktionären, die einen effizienteren Konzern fordern.

Kern der neuen Struktur wird die Einrichtung eines Vorstandspostens für den Aktienhandel sein. Hier ist Frank Gerstenschläger im Gespräch, der bereits bis zum Jahr 2001 IT-Vorstand der Börse war und zuletzt Sonderprojekte betreute. „Gerstenschläger hat das Handelssystem Xetra mit aus der Taufe gehoben und hat gute Kundenkontakte und ist ein Mannschaftsspieler“, hieß es im Aufsichtsrat. Möglicherweise wird das Gremium bereits in der Sitzung am 19. März diese Personalie beraten.

Durch die Einrichtung eines Aktienvorstands bekommt der hierfür bislang mitverantwortliche Terminmarktchef Andreas Preuß freiere Hand. In Finanzkreisen hieß es, ein Zukauf oder eine Allianz der Terminbörse Eurex in den USA könnte in nächster Zeit konkret werden. Ein Börsensprecher äußerte sich dazu nicht.

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