Eichel besucht die New Yorker Börse
Wall Street-Notierung: Für deutsche Unternehmen eher Last als Lust

Die Präsenz an der Wall Street kommt viele deutsche Unternehmen teuer zu stehen: Zum Unmut über die hohen Kosten für die Einhaltung amerikanischer Bilanzierungs-, Börsen- und Aufsichtsregeln kommen bescheidene Aktienumsätze.

So wollte sich Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) am Montag bei seinem Besuch an der New Yorker Börse Nyse unter anderem für leichtere Rückzugsmöglichkeiten für Unternehmen einsetzen und auf die gegenseitige Anerkennung von Bilanzierungs- und Aufsichtsregeln der USA und der EU drängen. Während der Hausse der 90er Jahre hatten sich ausländische Unternehmen überschlagen, um an die New Yorker Börse oder an die Nasdaq zu kommen. Die geplatzte Internet- und Telekom-Spekulationsblase und die schlimmste Baisse seit den 30-er Jahren setzte dem Herdentrieb an die Wall Street dann ein zeitweises Ende. Hinzu kam später das so genannte Sarbanes-Oxley-Gesetz, dass in- und ausländische Konzerne nervös gemacht hat. Es hat im Gefolge der beispiellosen Bilanzbetrügereien bei US-Unternehmen wie Enron, WorldCom und Adelphia die Melde- und Aufsichtspflicht der Unternehmen, ihrer Aufsichtsräte und der Konzernbosse enorm verschärft und droht bei Verstößen sogar mit Gefängnisstrafen. Massenrückzug ist unwahrscheinlich Die 18 deutschen Unternehmen an der Wall Street sind bisher im Vergleich zu dem Aktienhandel an ihren heimischen und anderen Märkten mit Ausnahme von SAP nicht mit sehr hohen US-Aktienumsätzen belohnt worden. Die 16 an der Nyse gehandelten deutschen Gesellschaften sind die Allianz, Altana, BASF, Bayer, Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Eon, Epcos, Fresenius Medical Care, Infineon, Pfeiffer Vacuum, SAP, Schering, SGL Carbon und Siemens. An der Nasdaq werden die Aktien der Lion Biotech und der GPC Biotech gehandelt. Als einzige deutsches Firma hat sich bisher die Software-Firma Intershop von der Nasdaq verabschiedet. Ein Wall-Street-Massenrückzug führender deutscher Großkonzerne mit ihren riesigen US-Töchtern scheint nach Ansicht von Wall-Street-Experten ziemlich unwahrscheinlich. Dies könnte als Schwächesignal ausgelegt werden und sich nachteilig auf die Aktienkurse auswirken. Insgesamt haben fast 2800 führende amerikanische und ausländische Gesellschaften ihr US-Börsendomizil an der Nyse, der mit weitem Abstand weltgrößten Börse. Bei der Nasdaq, deren Handel sich ausschließlich über Computersysteme und nicht wie bei der Nyse auf dem Börsenparkett abspielt, werden die Aktien von rund 3300 Gesellschaften gehandelt. Die Zahl der an der New Yorker Börse geführten ausländischen Gesellschaften hat sich seit 1994 mehr als verdoppelt. Zurzeit werden Aktien oder Aktienhinterlegungsscheine von 457 Gesellschaften aus 47 Ländern an der traditionsreichen Börse gehandelt. Das sind allerdings 16 weniger als im Jahr 2002. Der Gesamtwert ihrer Aktien beträgt insgesamt rund 5,9 Billionen Dollar. Der Gesamtwert aller an der Nyse notierten Aktien beläuft sich auf 17,6 Billionen Dollar. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden an der New Yorker Börse rund 20 Milliarden Aktien ausländischer Firmen umgesetzt. Das waren rund elf Prozent des Gesamtsatzes der Börse.

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