Eine Fusion würde heute auf mehr Gegenliebe stoßen als vor vier Jahren
Biete Londoner Börse, suche geeigneten Bewerber

Im Mai 2000 kochen die Emotionen hoch. Das Fusionsprojekt iX von Deutscher und Londoner Börse stößt überall auf Widerstand. LSE-Anteilseigner bemängeln offene Fragen, die Deutschen beschweren sich über das Abwandern ihrer Standardwerte. Britische Politiker, besorgt wegen des Verlusts eines Symbols, spielen die anti-deutsche Karte.

LONDON. Auf Urlaubsgewohnheiten anspielend, sagt der Tory-Abgeordnete Michael Fallon, die Börse überlasse „den Deutschen nicht nur die Handtücher um den Pool, sondern das ganze Hotel“. Das Projekt scheitert.

Vier Jahre später steht fest: Geschichte wiederholt sich nicht. Sollte ein Kandidat heute für die Londoner Börse bieten, wäre der Empfang wohl freundlicher – ein durchdachter(er) Plan vorausgesetzt. Zwar ist die Börse nach wie vor eine der Schlüssel-Institutionen der City. Sie hat sich jedoch zu einer Aktiengesellschaft gewandelt. Der Markt bestimmt den Wert, und die Anteilseigner setzen sich stärker aus angelsächsischen Fonds zusammen als aus traditionsverpflichteten Brokern. Gehörte den Privatbrokern im Apcim-Verband im Jahr 2000 rund ein Drittel der LSE, heißt es heute nur, man habe den gesunkenen Anteil „lange nicht mehr geschätzt“.

Die neuen Machthaber geben sich zudem pragmatischer: „Ein Angebot würde heute stärker unter kommerziellen Gesichtspunkten beurteilt“, sagt ein Großaktionär der LSE und fügt hinzu: „Ein britischer Eigentümer ist nicht unbedingt erforderlich.“ Auch die Politik hat offenbar eine hohe Toleranzschwelle: „Die LSE ist eine private Organisation“, heißt es nur aus dem Finanzministerium. Selbst die Apcim lenkt ein: „Der Widerstand kam damals vor allem, weil die LSE schlecht geführt wurde“, sagt Apcim-CEO Angela Knight.

Doch nicht nur die Struktur macht den Unterschied. Auf lange Sicht, so scheint es, hat die LSE alleine zu geringe Wachstumsperspektiven. Eine grenzüberschreitende Übernahme würde allein durch gesunkene IT-Ausgaben Kosten im zweistelligen prozentualen Bereich senken, glauben Analysten. „Es gibt eine klare Logik für einen Zusammenschluss“, sagt einer der größten Aktionäre dem Handelsblatt.

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