Emerging Markets
Anleger wetten auf neuen Schwellenländer-Boom

Während die Industrieländer noch lange unter den Folgen der Krise leiden werden, schätzen Analysten die Chancen der Schwellenländer hoch ein. Vor allem Rohstoffaktien bieten gute Renditechancen. Doch Engagements bergen Risiken. Was Anleger erwartet.
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FRANKFURT. Das nächste Jahrzehnt gehört den Schwellenländern. China, Indien oder Brasilien - möglicherweise auch Südafrika und Indonesien. Das zumindest sagen die Strategen der Banken und Fondsgesellschaften. Weil die Industriestaaten noch länger unter den Folgen der Finanzkrise leiden werden, wachse die Bedeutung der Schwellenmärkte. Kurzum: Wer will, dass sein Geld künftig eine passable Rendite abwirft, kommt um ein Investment in den Emerging Markets nicht herum.

Die Anleger glauben an die Verheißungen der neuen Märkte. Sie können ihr Geld gar nicht schnell genug in die Schwellenländer schaffen. Auch die Nachricht von den Zahlungsnöten in Dubai konnte die Zuversicht in die Schwellenländer nicht trüben. Allein in der vergangenen Woche investierten Anleger 1,6 Mrd. Euro in Aktienfonds mit Schwerpunkt Emerging Markets; insgesamt sind es in diesem Jahr nach Angaben der Analysegesellschaft EPFR Global umgerechnet rund 50 Mrd. Euro.

Aber welche Regionen sollten Anleger 2010 besonders im Blick haben, wo ist noch was zu holen? Ganz so einfach ist das nicht zu beantworten - schließlich haben die Börsen in Shanghai, Sao Paulo oder Kapstadt in den vergangenen Monaten bereits viel gewonnen. Seit Jahresbeginn hat der MSCI Emerging- Markets-Index, der Gradmesser für die Schwellenmärkte, um 60 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der Dax kommt im selben Zeitraum gerade einmal auf ein Plus von 20 Prozent; der Dow Jones kletterte um 18 Prozent.

Sind die Schwellenländerbörsen zu weit vorgeprescht? Nicht unbedingt, sagt Marc Mobius, Emerging-Markets-Experte bei Templeton Asset Management. Zwar rechnet er mit weiteren Korrekturen in den kommenden Monaten. Das sei aber für einen Bullenmarkt vollkommen normal und eröffne den Investoren gute Kaufgelegenheiten. Allerdings sollten die Anleger ein wenig Geduld mitbringen. "Neben Asien ist Südamerika die wohl interessanteste Schwellenländerregion", sagt Mobius. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der lateinamerikanischen Märkte liege wie das der asiatischen Börsen im Schnitt bei vierzehn.

Ganz oben auf den Empfehlungslisten vieler Experten steht China. Die Wirtschaft, angetrieben von den staatlichen Konjunkturprogrammen, wächst wieder kräftig. Rund acht Prozent in diesem Jahr. Die Volksrepublik scheint die Krise ohne größere Schäden zu überstehen. Für 2010 rechnen die Experten von Goldman Sachs sogar mit einer Wachstumsrate von gut elf Prozent.

Aber nicht nur China ist auf Wachstumskurs. Die Wirtschaft in Indien dürfte um acht Prozent zulegen, in Brasilien und Indonesien um sechs Prozent, in Südkorea, Malaysia und der Türkei um gut fünf Prozent. Diese Länder sind immer weniger vom Westen abhängig. Stattdessen gewinnen der Binnenkonsum und der Handel der Schwellenländer untereinander an Bedeutung. Bereits jetzt ist der Absatz von Autos in den Schwellenländern höher als der in den USA, Europa und Japan zusammen. Experten erwarten, dass die Chinesen die Amerikaner bis zum Jahr 2020 als größte Konsumenten der Welt ablösen werden. "Während die Verbraucher im Westen zunehmend sparen, werden Länder wie Brasilien, Russland, Indien und China die weltweite Erholung der Konsumausgaben anführen", sagen die Analysten von Goldman Sachs.

Sie setzen auf Aktien, die eng verbunden sind mit dem Rohstoffsektor oder den sogenannten Bric-Ländern (nach den Anfangsbuchstaben für Brasilien, Russland, Indien, China). Neben Rohstoffaktien seien auch die Bereiche Industriegüter und Autos interessant. Den Finanzsektor stufen die Experten dagegen herunter.

Anleger, die von dem rasanten Wachstum in einigen Schwellenländern profitieren wollen, müssen nicht zwangsläufig dort investieren. Wem die Aktien der dortigen Unternehmen zu riskant sind, weil er die Geschäftsaussichten nur schwer einschätzen kann, sollte sich die Papiere von europäischen, japanischen oder amerikanischen Konzernen ins Depot legen, die in der Region stark präsent sind. Eine Auswahl von 50 solcher Unternehmen hat Goldman Sachs im "Global Bric Exposure Basket" (siehe Tabelle) zusammengestellt.

Wie die Persepktiven der einzelnen Regionen sind:

Ostasien: Alle Blicke ruhen auf dem chinesischen Markt


Südamerika: Brasilien ist auf dem Sprung


Osteuropa: Eine Region ächzt unter dem Schuldenberg


Afrika: Ein ganzer Kontinent hofft auf den Fußball


Naher Osten: Das Ende der Träumereien



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  • die tabelle ist ja ganz aufschlussreich, aber welches unternehmen könnte mehr vom boom der schwellenländer profitieren als die weltweite nummer 1 bei eisenerz und einer der größten bergbaukonzerne überhaupt: die rede ist von VALE US91912E2046 - diesen wert vermisse ich bei dieser tabelle. ansonsten wieder sehr gut geschrieben

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