Energiekonzern muss Probleme in Italien und Lateinamerika in den Griff bekommen
EdF kämpft vor Börsengang an mehreren Fronten

Der weltgrößte Stromversorger, Electricité de France (EdF), hat vor dem geplanten Gang an die Börse zwar einen Milliardengewinn verbucht. Dennoch drücken den staatseigenen französischen Energiekonzern eine Reihe von Problemen, die die Aktienplatzierung erschweren.

juf/mab DÜSSELDORF/PARIS. Ein hoher Schuldenstand sowie milliardenschwere Risiken bei den Engagements in Italien und Lateinamerika belasten den Stromversorger. Gewinn wirft dagegen die 45-prozentige Beteiligung an der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ab.

Im vergangenen Jahr steigerte EdF das Nettoergebnis um 56 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Allerdings verzeichnete das Unternehmen im zweiten Halbjahr einen Nettoverlust von knapp 200 Mill. Euro, weil es hohe Abschreibungen auf die Beteiligungen in Italien und Lateinamerika vornehmen musste. Der Umsatz ist im Gesamtjahr um 4,5 Prozent auf 46,9 Mrd. Euro gestiegen.

Der französische Noch-Monopolist will im Herbst an die Börse gehen, wodurch der Anteil des Staates auf bis zu 70 Prozent sinken soll.EdF erhofft sich Einnahmen von acht bis elf Mrd. Euro, die der Konzern benötigt, um Rückstellungen für hohe Pensionsverpflichtungen bilden zu können. Nach Einschätzung von Analysten dürften die Einnahmen aber nicht ausreichen, wenn sich die EdF nicht im Vorfeld weiterer Risiken entledigt.

Bis zum Börsengang will EdF zumindest die Probleme in Italien in Griff bekommen. Dort ist der Konzern mit 18 Prozent an der Holding Italenergia beteiligt, die den zweitgrößten Stromproduzenten des Mittelmeerlandes, Edison kontrolliert. Die Beteiligung ist für die Franzosen bis auf weiteres aber strategisch wertlos, weil ihre Stimmrechte von der italienischen Regierung auf zwei Prozent beschränkt sind. Trotzdem soll EdF weitere Anteile übernehmen, weil die anderen Großaktionäre Verkaufsoptionen besitzen, die sie auch ausüben wollen. 2004 schrieb die EdF den Wert der Beteiligung um 400 Mill. Euro ab, nachdem es 2003 bereits 900 Mill. Euro waren. Insgesamt schlüge eine vollständige Übernahme inklusive Schuldenübernahme mit 12 Mrd. Euro zu Buche.

Bis zum Sommer solle eine Lösung gefunden werden, sagte Konzernchef Pierre Gadonneix gestern. EdF habe zum einen die Verkaufsoptionen angefochten. Zudem suche man nach industriellen Partnern und verhandele mit der italienischen Regierung, damit die Stimmrechtsbeschränkung aufgehoben wird. Bis Ende März wolle der Konzern entscheiden, mit wem er in konkrete Verhandlungen tritt. Gadonneix stellte aber klar, dass sich die EdF komplett zurückziehen werde, falls sie nicht die industrielle Führung erlangen könne.

Mailänder Finanzkreise halten den Einstieg diverser italienischer Stadtwerke bei Edison unter Führung der EdF als wahrscheinlichste Alternative, bei der die Regierung ihre Stimmrechtsbeschränkung aufheben könnte. Sollte EdF allerdings nicht die industrielle Führung erlangen, dürfte Edison vermutlich komplett an einen ausländischen Interessenten verkauft werden. Als Favorit gilt der spanische Versorger Endesa. Aber auch Eon könnte in das Bieterverfahren einsteigen, heißt es.

Einen Rückzug schloss Gadonneix auch aus Brasilien und Argentinien nicht aus. In Lateinamerika verbuchte der Konzern 2004 einen Verlust von 1,2 Mrd. Euro. EdF darf dort wegen staatlicher Vorgaben nicht die Preise erhöhen, obwohl Inflation und die Abwertung der lokalen Währungen die Bilanz belasten. Nach wie vor ein großes Problem ist auch der hohe Schuldenstand von knapp 20 Mrd. Eurod, der deutlich höher liegt als bei der europäischen Konkurrenz. Um die Schulden weiter zu senken, erwägt der Konzern nun einen Teilverkauf des Stromnetzbetreibers RTE.

Mehr Klarheit hat EdF in Deutschland. Dort hätte der Konzern hohe Summen für weitere EnBW-Anteile aufwenden müssten, wenn der zweite Großaktionär, der Zweckverband Oberschwäbischer Elektrizitätswerke Verkaufsoptionen gezogen hätte. Die beiden Aktionäre einigten sich vor kurzem aber, die inzwischen wieder profitable Tochter weiter gemeinsam zu führen.

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