Entdeckt in den Vorstandsetagen der europäischen Konzerne
Die Bremser für Corporate-Governance-Regeln

Ein neues Selbstbewusstsein der Aktionäre bedroht die Topetagen der Konzerne. Seit sich die Bilanzen mehrerer großer Unternehmen als Luftnummern erwiesen haben und seit sich hochrangige Manager des Vorwurfs der Untreue erwehren müssen, schauen Anleger den Unternehmenslenkern genauer denn je auf die Finger.

HB DÜSSELDORF. Deshalb wird für viele Manager die Corporate Governance immer wichtiger: Mit festen Regeln zur ordentlichen Unternehmensführung wollen sie die Aktionäre beruhigen und in Schach halten. Der Großteil der europäischen Konzerne hat sich entsprechend gewappnet, zeigt eine Studie von Kienbaum Consultants International und Hewitt Associates, die dem Handelsblatt (Freitagausgabe) exklusiv vorliegt.

Bereits 73 Prozent der befragten Unternehmen haben sich selbst schriftlich fixierte Regeln zur Corporate Governance auferlegt. Damit hat sich die Corporate-Governance-Idee erstmals bei der Mehrheit der großen europäischen Aktiengesellschaften durchgesetzt. "In den Unternehmen hat in jüngster Zeit ein starker Bewusstseinswandel stattgefunden", beobachtet Marc Gläser von Kienbaum in Gummersbach. "Nach anfänglichem Zögern haben die meisten Manager ihre Zurückhaltung gegenüber dem Thema jetzt abgelegt." Zu viele Unternehmen sperren sich aber der Sudie zufolge noch immer gegen Corporate-Governance-Regeln. "So rühmten sich zwar alle der für die Studie befragten 60 Konzerne, über Regeln zur Corporate Governance zu verfügen. Ganze 27 Prozent der Firmen haben ihre Regeln aber nicht schriftlich festgehalten.

Für Aktionäre ist solches Gebaren nur ein schlechter Scherz. Wenn die Regeln nur als mündliches Versprechen existieren, sind sie für sie praktisch wertlos. Doch selbst wer über einen schriftlichen Kodex verfügt, will nicht immer öffentlich dazu stehen. Nur 70 Prozent der Unternehmen veröffentlichen ihre Regeln, so die Studie. Bei den übrigen Firmen verstauben die guten Vorsätze in der Schublade. Trotz aller Hoffnungszeichen ist Gläsers Urteil deshalb insgesamt ernüchternd: "Unter dem Strich mangelt es immer noch der Hälfte der Unternehmen an Transparenz", klagt der Kienbaum-Berater. Die Bremser in den Vorstandsetagen handeln dabei mit voller Absicht. Nur die wenigsten Unternehmen widmen sich dem Thema aus Überzeugung. Die meisten haben ihre Corporate-Governance-Regeln einzig und allein deshalb aufgesetzt, weil der Druck von außen zu groß wurde, so das Ergebnis der Studie.

So sehen 84 Prozent der befragten Manager ihr Regelwerk in erster Linie als ein notwendiges Signal an Investoren. Entsprechend groß ist mit 90 Prozent die Ablehnung gegen eine bindende Richtlinie der Europäischen Union zur Corporate Governance. Erwärmen können sich die Vorstände lediglich für eine Regelung auf freiwilliger Basis, die ihnen großen Spielräume lässt.

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