Entschädigungen
Madoffs Opfer hoffen noch immer

Der Jahrestag der Ergreifung von Bernard Madoff wird ganz im Zeichen des Kampfes der Betrogenen um Wiedergutmachung stehen. Am Mittwoch werden die Opfer bei einer Parlamentsanhörung Entschädigung durch den Sicherungsfonds der Branche fordern. Vielleicht ein Schlusspunkt im spektakulärsten Betrugsfall der Wall-Street-Geschichte.
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NEW YORK/LONDON. Der Jahrestag der Ergreifung von Bernard Madoff, dem wohl größten Wall-Street-Betrüger aller Zeiten, wird ganz im Zeichen des Kampfes der Opfer um Entschädigung stehen. Denn kurz bevor sich die Festnahme des gefallenen Stars der New Yorker Finanzmeile zum ersten Mal jährt, werden am Mittwoch Opfer und ihre Anwälte bei einer Parlamentsanhörung Entschädigung durch den sich sträubenden Sicherungsfonds der Branche, die SIPC, fordern. „Die SIPC wurde geschaffen, um Investoren zu schützen und eine Aura der Sicherheit zu schaffen. Ich habe mein Vertrauen in die Aufseher, die Regierung und die SIPC völlig verloren“, schimpft etwa der 60-jährige Howard Schupak, der seine Altersvorsorge durch Madoff verloren hat und nun wohl bis Mitte 70 arbeiten muss.

Da die SIPC nur direkte Anlagen in Fonds ersetzt und diese auch nur bis 500000 Dollar gesichert sind, gehen Schupak und viele andere Anleger bislang leer aus. Sie hatten über Fonds bei Madoff investiert und sind gar nicht durch die SIPC abgedeckt. Anwälte wollen nun die Wall Street und die von ihr finanzierte SIPC auf politischem Weg zum Einlenken bewegen.

Am 11. Dezember 2008 war der bis dato hoch angesehene Broker Bernard Madoff festgenommen worden. Seine Söhne hatten die Polizei gerufen, nachdem er ihnen gestanden hatte, dass die Familienfirma ein Jahrzehnte altes Schneeballsystem sei. Wie sich bei den Ermittlungen herausstellte, hat Madoff dabei Anleger um 65 Mrd. Dollar geprellt. Der Insolvenzverwalter der Madoff-Firma, Irving Picard, konnte davon aber bislang nur 1,4 Mrd. Dollar wiederbeschaffen. Den Opfern hilft es auch nicht, dass Madoff im Sommer zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. SIPC-Chef Stephen Harbeck wehrt sich bislang gegen eine Ausweitung der Ansprüche durch die Madoff-Opfer. „Wir sind keine Versicherung“, sagte er. Die Statuten regelten die Entschädigungsleistungen eindeutig.

Während die Opfer um ihre finanzielle Zukunft kämpfen, ringt die für Madoff zuständige Aufsichtsbehörde SEC um ihren Ruf. Sie war auf den Betrüger trotz der Hinweise des Privatdetektivs Harry Markopolos und jahrelanger Ermittlungen erst aufmerksam geworden, als er sich selbst stellte. Zuletzt musste sich die SEC sogar von Madoff selbst verhöhnen lassen. „Ein paar Mal habe ich gedacht, sie haben mich“, sagte er kürzlich in einem Interview aus dem Gefängnis. Die Ermittler hätten in seinen durchgängig gefälschten Büchern aber nur „lächerliche“ Dinge gefunden und seien „Idioten“ gewesen.

Damit fanden die Peinlichkeiten für SEC-Chefin Mary Schapiro kurz vor dem Madoff-Jahrestag jedoch noch nicht ihr Ende. Zuletzt kam heraus, dass sich die Behörde auch bei den Ermittlungen gegen den Gründer des Hedge-Fonds Galleon, Raj Rajaratnam, nicht mit Ruhm bekleckert hat. Gegen den Manager, der Mitte Oktober wegen Teilnahme am größten Insiderskandal der Wall-Street-Geschichte verhaftet wurde, hatte die SEC bereits vor zehn Jahren Untersuchungen angestellt. Damals hatte der Halbleiterkonzern Intel der SEC ein Video zur Verfügung gestellt, das eine Angestellte zeigte, wie sie Rajaratnam Insiderinformationen faxte. Trotzdem wurde er nicht verhaftet.

Für altgediente New Yorker Banker ist das Scheitern der SEC jedoch keine Überraschung. „Madoff kann jederzeit wieder passieren“, sagte Joseph Perella, der seit Jahrzehnten an der Wall-Street arbeitende Chef der Investmentbank Perella Weinberg. „Bei der SEC findet man einen Haufen Leute, die direkt von der Uni kommen und denen es einfach an Erfahrung fehlt“, sagte er. Wer nicht ein paar Jahre an der Wall Street gearbeitet habe, wissen eben nicht, welche Fragen er stellen und nach welchen Strategien er suchen müsse.

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