Ermittlungen gegen Porsche
Fondsmanager fordert Gesetze gegen Nacht-und-Nebelaktionen

Investoren kritisieren Porsche scharf. Der Sportwagenbauer habe dem Finanzplatz Deutschland durch sein Vorgehen bei der letztlich gescheiterten Übernahme von Volkswagen geschadet, sagt Hans-Christoph Hirt vom britischen Pensionsfonds Hermes Equity Ownership. Er fordert gesetzliche Schritte gegen verdeckte Übernahmemanöver wie sie von Porsche praktiziert worden sind.

FRANKFURT. "Bei den vermutlich von Porsche genutzten Cash-settled Optionen auf Aktien gibt es ein Transparenzproblem", sagte Fondsmanager Hans-Christoph Hirt im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Strikt gesehen sichert sich Porsche dabei nur das Recht, die Differenz aus dem Options-Ausübungspreis und dem Aktienpreis zum vereinbarten Zeitpunkt zu erhalten." Ein Recht auf die eigentliche Aktie selbst sichere man sich dabei nicht. "Deshalb muss man sein Engagement bei solchen Geschäften derzeit nicht veröffentlichen, selbst wenn es mit den Banken Nebenabsprachen und de facto Zugriff auf die Aktien besteht", erläutert Hirt. "Wir fordern in solchen Fällen eine Offenlegungspflicht, damit andere Markteilnehmer über die Mehrheitsverhältnisse angemessen informiert sind."

Damit bezieht sich Hirt auf das Vorgehen Porsches bei der letztlich gescheiterten Übernahme von Volkswagen. Porsche hatte sich über den Kauf von Optionen heimlich den Zugriff auf riesige Aktienpakete von Volkswagen gesichert, ohne die Aktien selbst zu kaufen. Als dies bekannt wurde, schoss der VW-Aktienkurs zeitweise über 1 000 Euro. Hätte Porsche direkt VW-Aktien gekauft und nicht die Optionen, hätte der Automobilkonzern seinen wachsenden Anteilsbesitz schon sehr viel früher melden müssen.

Hirt hatte bereits Wiedeking bereits auf der Porsche-Hauptversammlung im Januar scharf kritisiert. Mit seinen Derivategeschäften mit VW-Aktien habe er dem Ansehen des Finanzplatzes Deutschland geschadet. Er hatte Wiedeking sogar aufgefordert, seine Mitgliedschaft in der Corporate-Governance-Kommission zu überdenken. Nun ist in seinen Augen die Politik gefragt. In Großbritannien sei im Juni eine entsprechende Regelung eingeführt worden. "In Deutschland hatten wir mit einer Gruppe anderer großer Pensionsfonds im Herbst 2008 entsprechende Kontakte mit den zuständigen Ministerien. Es existierten auch schon Diskussionspapiere und Vorschläge, doch dann stand das Thema scheinbar wegen der Finanzkrise nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste", so Hirt.

Die langwierigen Ermittlungen in Sachen VW-Aktie kritisierte Hirt. "Dass es nach dem Short-Squeeze bei VW-Aktien im Oktober so lange dauerte, bis die Bafin die Untersuchungen in Gang schob, das ist erstaunlich", sagte er.

Eine Klage gegen Porsche oder die ehemaligen Spitzenmanager Wendelin Wiedeking oder Holger Härter plant die Gesellschaft aber nicht. "Uns interessieren in diesem Zusammenhang weniger die Klagemöglichkeiten, sondern darum solche Fälle in der Zukunft durch strengere Veröffentlichungspflichten besser zu regeln. Wir nehmen sehr selten den Klageweg, denn die Kosten rechtfertigen selten den möglichen Erfolg", sagte Hirt.

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