Ethanol gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung
Hohe Rohstoffpreise helfen Terminbörsen

Nicht zuletzt den lebhaften Aktivitäten der Hedge-Fonds haben es die internationalen Terminbörsen zu verdanken, dass ihr Geschäft in den vergangenen Monaten noch stärker boomte als dies in den Vorjahren bereits der Fall war. Dies gilt auch für das New York Board of Trade (Nybot); denn die weltweit führende Terminbörse für den Handel mit den so genannten „Weichwaren“ - also Rohstoffen wie Kaffee, Kakao, Rohzucker, Baumwolle oder Orangensaft-Konzentrat – hat in den vergangenen zwölf Monaten in Folge immer wieder neue Umsatzrekorde erzielt.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres lagen die Anzahl der gehandelten Derivate-Kontrakte um 39 % über denen des gleichen Vorjahreszeitraums. „Immer mehr Hedge-Fonds haben Rohstoffe als Alternativ-Investments entdeckt“, begründet Joseph O'Neill, die steigenden Umsatzzahlen. O'Neill ist als „graue Eminenz“ beim Nybot für strategische Planungen der Börse verantwortlich.

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt begründet O'Neill den Aufschwung der am 10. Juni 2004 aus der Fusion der beiden New Yorker Terminbörsen CSCE und NYCE entstandenen Börse auch mit den stark gestiegenen Rohstoffpreisen an sich. Denn hierdurch sei die Aufmerksamkeit der Finanzwelt auf diese lange Jahre vergessene Anlageklasse gelenkt worden. Erfolge feiert das Nybot jedoch nicht nur im Handel mit Rohstoff-Derivaten. Auch die Finanz-Derivate der Börse, deren Wurzeln 134 Jahre zurückzuverfolgen sind, wiesen beeindruckende Wachstumszahlen auf. Dies trifft sowohl für den Dollarindex-Future als auch für den standardisierten Terminkontrakt auf den Russell-Aktienindex zu. Diese Umsatzrekorde drückten sich auch in einer Steigerung der Geldwerte aus; denn ein Börsensitz am Nybot wurde zuletzt zum Rekordpreis von 240 000 Dollar verkauft.

Wenn bisher im Zusammenhang mit dem Nybot von Erfolg die Rede war, dann muss auch auf Misserfolge hingewiesen werden. Mit einer neuen Produktidee erlitt der im Gebäude des Konkurrenten New York Mercantile Exchange (Nymex) beheimatete Derivatemarkt in jüngster Zeit Schiffbruch. Denn der im Mai dieses Jahres neu eingeführte Terminkontrakt auf Zucker basierendem Ethanol erwies sich bisher als Flop. Als regenerativer Energieträger, der aus Zucker, Mais und anderen agrarischen Rohstoffen gewonnen wird, wird Ethanol vor allem in Treibstoffen eingesetzt, um zum einen die Oktanzahl zu erhöhen und zum anderen um den Ausstoß schädlicher Emissionen zu reduzieren.

„Wir werden Veränderungen der Kontrakt-Spezifikationen vornehmen, um größeres Interesse bei potenziellen brasilianischen Nutzern herbeizuführen und den Kontrakt dann noch einmal neu starten“, sagt O'Neill. Ethanol, das weltweit zu 60 Prozent aus Zucker gewonnen wird, war auf dem Nybot-Handelsparkett direkt neben dem Rohzucker-Future gehandelt worden. Auf diese Weise sollten Arbitragegeschäfte zwischen den beiden sich ergänzenden Kontrakten möglich werden. Brasilien war im Jahr 2003 mit einer Produktion von 3,8 Mrd. Gallonen der größte Ethanol-Produzent in der Welt vor den USA mit 2,8 Mrd. Gallonen. Weltweit wurden im vergangenen Jahr rund 7,3 Mrd. Gallonen Ethanol produziert. Schätzungen von Fachorganisationen zufolge wird im laufenden Jahr ein Anstieg der weltweiten Ethanol-Produktion auf 10,2 Mrd. Gallonen erwartet. Bis zum Jahr 2012 soll die Produktion dann bei 17,2 Mrd. Gallonen gestiegen sein.

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