EU-Derivateregeln
Umsetzung zieht sich hin

Das Regelwerk für den europäischen Derivatehandel wird wohl erst 2014 in Kraft treten. Bis dahin sind auch noch Gespräche mit den USA nötig, damit es zu weltweit ähnlichen Regeln kommt.
  • 0

BerlinDie Umsetzung des neuen europäischen Regelwerks für den Derivatehandel (EMIR) wird sich nach den Worten des Chefs der europäischen Finanzaufsicht ESMA, Steven Maijoor, bis in das kommende Jahr hineinziehen. Maijoor sagte in einem Reuters-Interview am Montag in Berlin, im Herbst werde die ESMA mit der Festlegung beginnen, welche bisher bilateral gehandelten Derivate künftig über zentrale Abwicklungsstellen geführt werden müssten. „Das kann sich leicht bis 2014 hinziehen, denn für den Markt bedeutet das enorme Konsequenzen.“ Um Doppelregulierungen auf dem globalen Derivatemarkt zu vermeiden, seien außerdem noch weitere Gespräche unter anderem mit den US-Behörden notwendig.

Um das Finanzsystem stabiler zu machen, soll der Handel von bisher außerbörslich gehandelten Papieren (OTC) ab 2013 über zentrale Gegenparteien (Central Counterparties, CCP) laufen. Diese Unternehmen stellen sich zwischen Käufer und Verkäufer von Derivaten und übernehmen dabei auch das Risiko, falls einer der Handelspartner Pleite geht. Die EU will dadurch die Sicherheit und Transparenz im weltweit 700 Billionen Dollar schweren Derivate-Handel erhöhen. Mt solchen Derivaten können sich etwa Banken und Unternehmen gegen Wechselkursschwankungen absichern.

Maijoor sagte, im kommenden halben Jahr müssten sich CCPs bei den nationalen Aufsichtsbehörden registrieren. Außerdem müssen Derivate künftig an zentrale Handelsregister gemeldet werden. Danach werde die ESMA daran gehen, in Abstimmung mit dem europäischen Gesetzgeber und den Betroffenen festzulegen, welche Derivate über CCPs abgewickelt werden müssten. „Für diesen Markt bedeutet das massive Veränderungen“, sagte er: „CCPs werden an Bedeutung gewinnen, neue Anbieter werden auftreten, Marktanteile werden sich verändern.“ Am Ende werde ein sehr europäisch geprägter Markt für die Abwicklung von Derivaten entstehen.

In den USA läuft die von den G20-Staat angestoßene Debatte über die Regulierung des Derivate-Marktes unter dem Stichwort Dodd-Frank-Act. „Es ist sehr wichtig, dass wir weltweit zu ähnlichen Regelungen kommen“, sagte Maijoor. Nur so könnten Regulierungs-Lücken und Regulierungs-Arbitrage vermieden werden. „Man muss aber auch realistisch sein: Souveräne Regionen machen ihre eigenen Regulierungs-Gesetze: Dodd-Frank ist nicht EMIR.“

Ein Kernpunkt, der mit den USA diskutiert werde, sei die gegenseitige Ankerkennung des jeweiligen Regulierungsrahmens. „Wir versuchen, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass man sich aufeinander verlässt, anstatt sich zu doppeln, wenn die Regulierungssysteme im Prinzip gleich sind“, sagte er: „Trotz Fortschritten ist das noch eine schwierige Angelegenheit.“

EURIBOR: BANKEN MÜSSEN IHREN PFLICHTEN NACHKOMMEN

Zum Skandal um manipulierte Referenzzinssätze wie Libor und Euribor machte Maijoor klar, dass er die Banken weiter in der Pflicht sehe, sich an der Ermittlung des Euribor zu beteiligen: „Es gibt viele auf dem Euribor basierende Finanzprodukte und auf eine tägliche Festlegung des Euribor zu verzichten, würde Stabilitäts-Risiken auslösen.“ Der Banken-Sektor habe mit der Festlegung des Euribor begonnen und die Probleme könnten kein Argument dafür sein, sich jetzt aus dem Euribor herauszuziehen.

Der Skandal erschüttert seit dem vergangenen Jahr die Branche. Händler in mehr als einem Dutzend Banken hatten über Jahre versucht, Referenzzinssätze zu ihren Gunsten zu manipulieren. Banken wie die BayernLB, die US-Bank Citi oder die niederländische Rabobank haben sich bereits aus dem bisher etwa 40 Institute umfassenden Euribor-Panel zurückgezogen. An dem Zinssatz orientieren sich Tausende von Finanzprodukten wie zum Beispiel Hypothekenkredite mit variablen Zinssätzen.

„Ich hoffe, dass eine ausreichende Zahl von Banken ihrer Pflicht nachkommt“, sagte Maijoor: „Man kann nicht ein Produkt herstellen und sich dann zurückziehen, wenn es Probleme gibt.“ Alles andere sei Sache des europäischen Gesetzgebers. Die EU-Kommission hat bereits einen Gesetzentwurf angekündigt, mit dem Banken zu Teilname am Euribor-Panel gezwungen werden könnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EU-Derivateregeln: Umsetzung zieht sich hin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%