Europäische Börsen
Finanzplatz London führt bei Neuemissionen

2005 bleibt den Börsenkandidaten in London als guter Jahrgang in Erinnerung. "2005 könnte sich als ein Rekordjahr erweisen", schätzt Tom Troubridge, Partner der Unternehmensberatung PWC und regelmäßiger Beobachter des Emissionsmarktes.

fs LONDON. Im Juli kamen so viele Neuemissionen an den Markt wie seit vier Jahren nicht. 15 neue Werte brachten ein Volumen von fast 2 Mrd. Pfund an die Börse. Als vorläufige Bilanz bis Anfang November meldete die London Stock Exchange 306 Neuemissionen, gut 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit bleibt London in Europa das Maß aller Dinge, auch wenn in diesem Jahr weniger als 75 Prozent aller IPOs auf dem Kontinent hier gelistet werden - 2004 lag der Anteil der Londoner noch deutlich darüber. In London wie in ganz Europa nimmt zudem die Zahl der Listings von nicht-europäischen Unternehmen zu.

Gerade US-Firmen suchen verstärkt die Möglichkeit, vor zu hohen Regularien in ihrem Heimatmarkt auszuweichen. Das mit Sicherheit schillerndste IPO war Partygaming. Das Online-Pokerhaus kam im Sommer an den Markt und legte einen beispiellosen Zickzackkurs hin. Erst erfreute es seine Anleger mit kräftigen Kursgewinnen. Später fiel es - getrieben von Zweifeln an den Unternehmensgewinnnen - unter den Emissionspreis. Mittlerweile liegt es wieder darüber.

Experten in der City rechnen nicht mit einem schlagartigen Austrocknen der IPO-Pipeline. Die Bewertungen an der Börse sind weiterhin gut, und das fundamentale Umfeld stimmt trotz der jüngsten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank. So erwarten sie, dass die Emissionswelle nicht wie sonst häufig im Dezember abebbt.

Den lukrativsten Deal bis zum Jahresende haben dabei UBS und Merrill Lynch mit der russischen Stahlfirma Novolipetsk am Haken. Diese platziert am 12. Dezember Aktien im Wert von fast 10 Mrd. Dollar in der britischen Hauptstadt. Das Kraftwerk Drax könnte drei Tage später Papiere für gut 1,5 Mrd. Pfund an den Markt bringen - noch ist allerdings immer nicht klar, ob die Gesellschaft nicht zuvor doch noch an einen einzelnen Investor verkauft wird.

Für das kommende Jahr stehen ebenfalls einige Schwergewichte in den Startlöchern. Mit Innovene dürfte der Ölriese BP seine lange gehegten Pläne für das Abspalten des Olefin und Derivategeschäftes verwirklichen. Der Wert der Transaktion wird auf vier bis sieben Milliarden Dollar geschätzt. Einer der wichtigsten Börsengänge des Jahres steht dann im Sommer an: Standard Life beendet seine mehr als 180jährige Tradition als Versicherer auf Gegenseitigkeit. Um auf weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, will das schottische Institut bis zu sechs Milliarden Pfund einsammeln.

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