Experte warnt vor Bankensituation in China
Börsenschocks sind heute vermeidbarer

Auch wenn die Erfahrung des Börsencrashs als Mahnmal in die Geschichte einging, die Börse ist auch heutzutage nicht vor bösen Überraschungen gefeit. Der Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Schmidt macht sich für eine stärkere Transparenz der Kapitalmärkte stark.

HB FRANKFURT/MAIN. Auch 75 Jahre nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise bleiben die internationalen Finanzmärkte aus Sicht eines Experten mit erheblichen Risiken behaftet. „Wachstum lebt von Innovationen. Neue Risiken lassen sich nur zum Preis von Stillstand ausschließen“, sagte Reinhard Schmidt, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt/Main. Als sehr ernst zu nehmende, aber in der Öffentlichkeit kaum beachtete Gefahren für die Weltwirtschaft bezeichnet er vor allem die Situation chinesischer Banken und die Weiterreichung von Risiken bei der Kreditverbriefung.

Bei der Verbriefung verkaufen Banken in großem Stil Kredite über den globalen Kapitalmarkt an andere Investoren, zum Beispiel Versicherungen. „Die Käufer haben ein enormes Maß an Risiken übernommen, das sie möglicherweise nicht überschauen können“, betonte Schmidt. In China wiederum könnte sich eine große Zahl der für die Finanzierung von Unternehmen gewährten Kredite als faul erweisen. Es sei davon auszugehen, dass eine Bankenkrise weit über das Reich der Mitte hinaus reichende Kreise ziehen würde. „China könnte als Krisenherd an die frühere Stelle Japans treten.“

Kursstürze an den Börsen wie nach dem Platzen der Internet-Blase und den Anschlägen des 11. September 2001 seien auch in Zukunft möglich, sagte Schmidt. Große Schocks wie vor einem Dreivierteljahrhundert könnten jedoch leichter vermieden werden, da sich zum Beispiel die Zentralbanken ihrer Rolle stärker bewusst seien. Der Zusammenbruch etwa eines Hedge Fonds wie vor sechs Jahren sei auch heute „strukturell überhaupt nicht ausgeschlossen“, meinte der Experte für internationales Bank- und Finanzwesen. Allerdings sei die Sensibilität für die Gefahren dieser mit allen Tricks arbeiteten Anlageprodukte inzwischen größer geworden.

Schmidt begrüßte den Einsatz neuer Maßnahmen zur Risikosteuerung, etwa durch das Regelwerk „Basel II“ für Banken und Unternehmen. Allerdings hätten solche Modelle einen „Geburtsfehler“, indem sie Annahmen aus der Vergangenheit auch auf die Zukunft übertragen. Tatsächlich könnten sich Märkte auf Grund von Innovationen aber völlig anders entwickeln. Der Wirtschaftswissenschaftler macht sich für eine stärkere Transparenz als Schutz vor bösen Überraschungen stark. In Europa hält Schmidt ein übergreifendes Aufsichtsorgan für die Kapitalmärkte für dringend geboten. Banken und Versicherungen könnten hingegen effektiver auf nationaler Ebene kontrolliert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%