Experten beurteilen Effekte zunehmend skeptischer
Aktiensplits kommen wieder in Mode

Der Aktiensplit von Wertpapieren erlebt eine Renaissance: In den vergangenen Tagen gaben unter anderem der Onlinedienst Yahoo, die Depfa-Bank, 3U Telecom sowie die Stada AG einen Aktiensplit bekannt. Darunter versteht man die Aufteilung einer Aktie in zwei oder mehr Anteile.

DÜSSELDORF. Der Kurs wird dadurch optisch billiger, an dem Anteil des Aktionärs am Unternehmen und der Bewertung ändert sich nichts. Doch während in der Aktienhausse bis zum Jahr 2000 erst dreistellige Kurse als splitwürdig galten, entschließen sich viele Unternehmen inzwischen bei deutlich niedrigeren Kursen zu diesem Schritt. Kritiker werfen den Konzernen vor, den Split als Marketinginstrument einzusetzen, um die Aufmerksamkeit auf ihre Papiere zu lenken.

Beispiel Yahoo: Während der Onlinedienst seit 1998 stets zwei neue für eine alte Aktie ausgab, wenn der Aktienkurs bei mindestens 170 Dollar notierte, hielt das Unternehmen zuletzt bereits einen Kurs von 48 Dollar für splitwürdig. Der deutsche Arzneimittelhersteller Stada gab vergangene Woche bei einem Kurs von gut 40 Euro einen Aktiensplit zwei für eins bekannt. „Das ist ungewöhnlich, zumal noch im Frühjahr 2003 das Gejammer groß war, dass kein Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex über 100 Euro notiert“, sagt Carsten Klude, Aktienstratege von M.M. Warburg. Der Meinung ist auch Dieter Bock, Direktor Finanzen bei Puma. Die Aktien des Sportartikelherstellers notieren derzeit bei 200 Euro. „Wir sehen keinen erkennbaren Vorteil darin, unsere Aktien zum derzeitigen Kurs zu splitten“, sagt Bock. Zudem stünde der hohe Kurs auch „symbolisch für die Qualitätsmarke Puma.“ Auch die Porsche AG, deren Anteilsscheine aktuell bei 535 Euro notieren, hat nach Angaben eines Sprecher keine Pläne für einen Split.

Ganz anders sieht das die 3U Telecom AG. Der Vorstand wird der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag vorschlagen, die eigenen Aktien beim Kurs von 14,70 Euro im Verhältnis 4 für 1 zu splitten. „Damit wollen wir dem Kurspotenzial der Papiere Rechnung tragen“, sagt 3U-Sprecher Axel Becker.

Mit einem Split hoffen die Unternehmen, ihre Aktionärsbasis zu verbreitern und die Liquidität der Aktien zu erhöhen. Die Liquidität wird einerseits durch das Handelsvolumen, andererseits aber durch die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs (Spread) gemessen. Im Hinblick auf den relativen Spread, der das Verhältnis zwischen Aktienkurs und der Geld-Brief-Spanne misst, haben die Analysten von Credit Suisse bereits 2001 in einer Studie festgestellt, dass sich die Liquidität von Aktien nach Splits häufig sogar verschlechtert. Für die Unternehmen fallen zudem Kosten für die Abwicklung und die Kommunikation des Splits an. „Insgesamt werden die Effekte von Aktiensplits überschätzt“, lautet das Fazit von M.M. Warburg-Stratege Klude.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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