Experten sehen bessere Aktionärskultur
US-Börsenaufsicht stärkt Anlegerschutz

Die US-Börsenaufsicht SEC plant eine neue Regel, die kritische Aktionäre stärkt. Bei ihrer öffentlichen Sitzung am heutigen Dienstag stellt die SEC einen Entwurf vor. Danach dürfen Unternehmensvorstände, aber auch kritische Anteilseigner, die Unterlagen zur jährlichen Hauptversammlung künftig im Internet veröffentlichen.

HB NEW YORK. Die hohen Kosten des bislang vorgeschriebenen Postversands solcher Unterlagen schrecken viele Investoren vor Gegenanträgen ab. Wie die SEC auf ihrer Internetseite mitteilt, will sie die entsprechende Regel so ändern, dass künftig eine Veröffentlichung im Internet genügt. Einzige Bedingung: Die Aktionäre müssen per Postkarte auf die Internetseite hingewiesen werden, und sie erhalten das Recht, die Zusendung der Unterlagen auf dem alten Postweg zu verlangen.

Falls das neue Verfahren eingeführt wird, könnte es große Auswirkungen auf die Aktionärskultur der USA haben. Denn bislang kontrollieren die Vorstände von US-Aktiengesellschaften den Zugang zur so genannten "Proxy", dem Dokument zu Hauptversammlung. Die Firmenführung kann unliebsame Anträge von unabhängigen Aktionären sabotieren, indem diese einfach nicht auf dem Proxy-Dokument erscheinen. Dann müssen die Aktionäre oft Millionenkosten übernehmen, um ihre Gegenanträge selbständig an alle Aktionäre zu versenden.

Diese Kosten hinderten zum Beispiel eine Aktionärsgruppe des US-Unterhaltungskonzerns Disney im vergangenen Jahr daran, einen Gegenkandidaten zum unbeliebten damaligen Vorstands- und Aufsichtsratschef Michael Eisner zu nominieren. Mangels eines Gegenkandidaten wurde Eisner im Amt bestätigt, obwohl 43 Prozent der Aktionäre ihm die Zustimmung verweigerten.

Außerdem kann die neue Regel Unternehmen mit US-Börsennotierung helfen, Kosten beim Versand der Hauptversammlungsunterlagen zu sparen. Die Zeitung "Financial Times" zitiert Schätzungen, wonach die Versandgebühren bis zu einer Mrd. Dollar jährlich betragen. Der Versand von Postkarten statt telefonbuchdicken Unterlagen würde nur einen Bruchteil der bisherigen Kosten erfordern.

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