Experten wittern Chancen bei neuen Anleihen
Investoren verkaufen argentinische Aktien

Der Aufschwung an der argentinischen Börse wurde erst einmal gestoppt. In der vergangenen Woche fiel der Merval-Index um 9,19 Prozent - es ist das größte Minus seit zehn Monaten und die schlechteste Wochenbilanz im weltweiten Vergleich.

HB BUENOS AIRES. Der Absturz war nicht nur auf die schlechte internationale Börsenlage zurückzuführen. Gleichzeitig spielten technische und innenpolitische Gründe eine Rolle, die mit dem Ende der Umschuldungsoperation für die notleidenden Anleihen des Landes zu tun haben. Trotz des Forderungsverzichts war eine relativ hohe Beteiligungsrate von 76 Prozent erzielt worden. Das versetzte die Börsianer für mehrere Wochen in gute Stimmung. Doch jetzt war laut Analysten die Zeit für Gewinnmitnahmen gekommen.

Gleichzeitig gibt es verstärkt Inflationsängste, nachdem die Preise für wichtige Lebensmittel und Benzin letzte Woche stark stiegen. Wenig hilfreich war dabei auch die Reaktion von Präsident Nestor Kirchner auf die Preiserhöhungen: Er rief zu einem landesweiten Boykott von Shell–Tankstellen auf, nachdem Shell als erste der in Argentinien operierenden Mineralölfirmen als Reaktion auf internationale Ölpreissteigerungen seine Preise erhöht hatte. „Diese Art von unternehmerfeindlichen Kommentaren ist nicht gesund für die Märkte“, meint Nicolas Leupold von der argentinischen Brokerfirma InvertirOnline.

Einer hohen Nachfrage und entsprechender Kurssteigerungen erfreuen sich schon jetzt die neuen Bonds, die Argentinien im Tausch gegen die notleidenden alten Bonds emittiert, die ab dem ersten April ausgegeben werden. „Argentinien ist wieder ‚hot’“, sagt Walter Molano von der US-Investment Bank BCP Securities. Und auch die Experten der Deutschen Bank sind optimistisch: „Die erfolgreiche Schuldenrestrukturierung gewährt Argentinien zwei weitere Jahre mit ausgezeichneter Wirtschaftsleistung, trotz mittelfristiger Bedenken.“

Von den Inflationsängsten profitieren insbesondere Peso-Anleihen, weil diese an den Konsumentenpreisindex gekoppelt sind. Angesichts der Aufwertungstendenz des Peso hatten viele Investoren bei der Umschuldung die in lokaler Währung begebenen Bonds gegenüber Euro- oder Dollar–Anleihen bevorzugt. Insgesamt 40 Prozent der gesamten argentinischen Anleihenschuld ist mittlerweile in Peso begeben und inflationsindexiert.

Ungelöst ist indes die Zukunft der rund 20 Mrd. Dollar an Bonds, die nicht an der Umschuldung teilnahmen. Argentinien vertritt die Auffassung, dass diejenigen, die nicht teilnahmen, auch im Falle einer Wiedereröffnung des Umschuldungsangebots ebenso handeln würden und es vorziehen, vor Gericht ihre Rechte zu erstreiten. Eine Verbesserung des Angebots aber wäre schwierig. Die Regierung verabschiedete ein Gesetz, das jede Modifikation verbietet.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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