EZB-Schattenrat
Ökonomen warnen vor Eingriff in Aktienmarkt

Profilierte europäische Ökonomen sind mehrheitlich dagegen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) neuen Vermögenspreisblasen mit Zinserhöhungen zu Leibe rückt. Angesichts niedriger Wachstumserwartungen sei der rekordniedrige Leitzins von einem Prozent weiterhin angemessen und werde auch noch einige Monate angemessen bleiben.
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FRANKFURT. Das ist das Ergebnis einer Diskussion im EZB-Schattenrat, dem 15 leitende internationale Ökonomen aus Forschungsinstituten, Hochschulen und Finanzhäusern angehören.

Noch, sind sich die Ökonomen einig, lässt sich keine neue Blase an den Kapitalmärkten feststellen. Vielmehr seien die starken Wertsteigerungen bei Aktien und anderen riskanten Anlagen eine gesunde Entwicklung nach den vorangegangenen scharfen Rückgängen. Doch warnt Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, dass sich diese Einschätzung in nicht allzu ferner Zeit ändern könnte. „Wenn die Konjunktur sich weiter erholt, ist nichts zu sehen, was verhindern würde, dass sich eine neue Vermögenspreisblase aufbläht“, warnt Mayer. Die Notenbanken zeigten keinerlei Anstalten, von ihrer Politik des billigen Geldes abzurücken. Mayer wirbt dafür, dass alle Notenbanken, auch die Europäische Zentralbank, ihr Zinsinstrument nicht einseitig nur auf die Bewahrung der Preisstabilität ausrichten, sondern auch an der Wahrung der Finanzstabilität. Wenn sich eine Blase an den Finanzmärkten zu entwickeln droht, müssten die Notenbanken mit höheren Leitzinsen gegenhalten.

Noch sind sich allerdings alle Mitglieder des Schattenrats einig, dass der rekordniedrige Leitzins von einem Prozent weiterhin angemessen ist und wahrscheinlich auch noch einige Monate angemessen bleiben wird. Die Konjunkturaussichten besserten sich zwar zusehends. Die Wachstumserwartungen seien aber nach wie vor sehr niedrig und die Fortsetzung des Aufschwungs nicht gesichert. Wichtiger noch: auf absehbare Zeit dürfte die Inflation niedriger liegen als die von der EZB angestrebten knapp zwei Prozent.

Die Mehrheit der Mitglieder des EZB-Schattenrats lehnt jedoch ab, den Leitzins für die Finanzmarktstabilisierung einzusetzen. Ihr wichtigstes Gegenargument: Die EZB ist vor allem für Preisstabilität zuständig. Und der Leitzins ist ihr wichtigstes Instrument, um diese zu gewährleisten. Wenn sie den Leitzins gleichzeitig auch einsetzen würde, um die Vermögenspreise zu beeinflussen, dann könnte es zu einem Zielkonflikt kommen. Diesen muss man nach Ansicht der Mehrheit nicht in Kauf nehmen, weil Blasen an den Finanzmärkten mit Mitteln der Finanzaufsicht ohnehin besser zu begegnen sei.

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