EZB-Zinsentscheidung: Der Volkswirt, der (fast) alles kommen sah

EZB-Zinsentscheidung
Der Volkswirt, der (fast) alles kommen sah

Etwa 60 Volkswirte hatte eine Nachrichtenagentur im Vorfeld der EZB-Zinsentscheidung zu ihren Erwartungen befragt: Nur einer hatte eine verblüffende Treffergenauigkeit. Hier erklärt er, warum.

FrankfurtFrederik Ducrozet, leitender Ökonom Europoa bei Pictet Wealth Management in Genf, prognostizierte vier Komponenten der geldpolitischen Lockerung, die EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag bekanntgab. Lediglich die Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes sah er nicht voraus, sondern rechnete mit einem unveränderten Leitzinssatz.

Ducrozet erwartete eine Senkung des Einlagensatzes um zehn Basispunkte, eine Anhebung der Wertpapierkäufe der EZB um 20 Millilarden Euro monatlich, die Aufnahme von Unternehmensanleihen in das Kaufprogramm der Notenbank, und ein neues Programm gezielter längerfristiger Refinanzierungsoperationen (TLTRO) zu gelockerten Bedingungen. All dies verkündete Draghi am Donnerstagnachmittag.

„Ich habe gleich nach der Sitzung im Dezember mit einem weiteren Paket gerechnet, und nach der Pressekonferenz vom 21. Januar war ich noch stärker davon überzeugt“, sagte Ducrozet in einem Interview nach der EZB-Mitteilung.

Eine wichtige Größe, die er benutzte, sei die nachlassende Dynamik bei der Kerninflation gewesen, erläutert er. „Die Begründung für ein großes Maßnahmenpaket lag nicht in der aktuellen Konjunktur- und Finanzlage, die weiterhin recht ordentlich sind, sondern in den Risiken für den Ausblick, unter anderem was die Inflationserwartungen betraf.“

Lediglich beim Leitzins lag er daneben und rechnete mit einem unveränderten Wert – stattdessen senkte die EZB den Leitzins von 0,05 auf 0,0 Prozent. „Ich habe keine Senkung des Haupt-Refi-Satzes erwartet, oder einen negativen Zinssatz bei TLTROs, obwohl das Ergebnis meinen Hoffnungen recht nahe kommt“, beschreibt Ducrozet. „Die neuen Maßnahmen werden die Kosten der negativen Zinssätze reduzieren, vor allem für Banken aus der Euroraum-Peripherie, und gleichzeitig neue Anreize für die Banken schaffen, Kredite zu vergeben.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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