Falschinformationen
IKB droht Klagewelle

Die wegen Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in Schieflage geratene IKB Industriebank kommt nicht zur Ruhe. Morgen wird eine erste Gruppe von 40 Aktionären Klagen auf Schadensersatz gegen das Institut und den mittlerweile entlassenen Vorstandschef Stefan Ortseifen einreichen. Weitere Geschädigte bereiten bereits ähnliche Schritte vor.

FRANKFURT. „Insgesamt bereiten wir über 80 Klagen mit einem Streitwert von 4,5 Mill. Euro gegen die Bank vor“, sagte Ralf Plück von der Wiesbadener Kanzlei Doerr, Kühn, Plück dem Handelsblatt. Dem Vernehmen nach bereiten andere Kanzleien ähnliche Schritte vor. Die Klage kommt, nur einen Tag bevor die IKB wohl tiefrote Quartalszahlen vorlegen wird. Die Bank wollte sich nicht äußern.

Grundlage der Klagen ist die verfehlte Kommunikationsstrategie der Bank. Die IKB hatte am 20. Juli mit vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal auf Gerüchte über eine Schieflage reagiert, das Gewinnziel für das Gesamtjahr mit 280 Mill. Euro bekräftigt und damit ein Signal der Entwarnung geben. Daraufhin erholte sich der Kurs, eine Reihe von Analysten großer Banken empfahlen die Aktie der bis dahin als grundsolide geltenden Bank zum Kauf. Ihr Argument: Wenn der Vorstand Entwarnung gibt, ist das Papier angesichts der Kursverluste der Vorwochen von zusammen zwölf Prozent ein klarer Kauf. Am 30. Juli, in der Nacht von Sonntag auf Montag, überraschte die IKB den Markt dann mit einer Gewinnwarnung. Das Institut musste mit Milliardensummen gestützt werden und erwartet nun einen deutlichen Gesamtjahresverlust. Der Aktienkurs hat sich mittlerweile halbiert, Kapital von knapp einer Mrd. Euro löste sich dabei in Luft auf.

Geklagt wird nun nach Angaben Plücks gegen Ex-IKB-Chef Ortseifen wegen vorsätzlicher, sittenwidriger Schädigung der Aktionäre und gegen die IKB wegen Verletzung der Ad-hoc-Pflicht. „Wir sind der Ansicht, dass die Bank die Probleme schon viel früher hätte sehen müssen“, so Plück. Kläger seien vor allem wohlhabende Kunden großer Banken, die nach dem 20. Juli von ihren Beratern zum Kauf der IKB-Papiere ermuntert wurden. Sie wollen ihre Verluste von der Bank ersetzt haben.

Ein Analyst, der damals die IKB-Papiere zum Kauf empfohlen hatte, sagte dem Handelsblatt: „Die IKB hat mich gegenüber den Investoren, die ich berate, schwer in Bedrängnis gebracht. Aber wenn man sich auf eine offizielle Aussage des Vorstandes nicht verlassen kann, was ist dann noch verlässlich?“ schimpfte der Experte, der namentlich nicht genannt werden wollte. Die Volte der IKB hatte zur Folge, dass in der aktuellen Finanzkrise alle Aussagen von Banken unter Generalverdacht stehen. Selbst die kleinsten Eingeständnisse von Problemen führen zu massiven Kursverlusten, weil Anleger dahinter weitaus größere Belastungen für das jeweilige Institut vermuten.

Die IKB wird am Freitagmorgen mit einigen Wochen Verspätung ihren vollständigen Bericht zum zweiten Quartal vorlegen. Erwartet werden kräftige Verluste. Bislang ist nach Angaben des Instituts lediglich die Versendung einer Mitteilung geplant. Eine Presse- oder Investorenkonferenz ist nicht angesetzt. Offenbar will das neue Management unter KfW-Vorstand Günther Bräunig das Ergebnis einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von PwC abwarten, bevor es sich den Fragen der Öffentlichkeit stellt. Der Bericht soll den Angaben zufolge Mitte Oktober vorliegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%