Finanzkreise räumen Börsen die größten Chancen ein: Bondhandelsplattform MTS ist als Übernahmekandidat begehrt

Finanzkreise räumen Börsen die größten Chancen ein
Bondhandelsplattform MTS ist als Übernahmekandidat begehrt

Die elektronische Plattform für den Anleihehandel MTS kann sich vor möglichen Fusionspartnern kaum retten. Bis gestern bekundeten Branchenkreisen zufolge mehr als 16 Konkurrenten, Börsen und Finanzinvestoren schriftlich ihr Interesse an einer Übernahme der MTS, die ihren Hauptsitz in Italien hat.

cü FRANKFURT/M. Unter den Interessenten sind dem Vernehmen nach die Deutsche Börse, die Vierländerbörse Euronext, die Borsa Italiana und die Derivatebörse Chicago Board of Trade. Daneben sind Private Equity Häuser wie Carlyle Group und andere Bondhandelsplattformen wie Icap an MTS interessiert. Offiziell gibt es dazu keine Stellungnahmen.

1988 hatten das italienische Schatzamt und die Notenbank des Landes die MTS gegründet, um einen liquiden Handel mit Staatsanleihen zu gewährleisten. 1997 wurde MTS privatisiert und gehört heute 55 internationalen Banken, von denen keine mehr als fünf Prozent an der Plattform hält. Inzwischen gibt es MTS-Gesellschaften in fast allen europäischen Staaten. An diesen hält die italienische MTS SpA zwischen 15 und 100 Prozent. Auf Grund dieser komplizierten Eigentümerstruktur gilt eine Übernahme von MTS nur mit der Zustimmung des Managements als möglich.

Im vergangenen Sommer beauftragte MTS die US-Investmentbank Goldman Sachs damit, Wachstumsstrategien auszuloten. Damals waren neben einer Fusion auch ein möglicher Börsengang sowie ein Wachstum aus eigener Kraft im Gespräch. Jetzt scheint alles auf eine Übernahme hinauszulaufen. Die Entscheidung soll schon Ende März fallen.

Auf den elektronischen Plattformen von MTS werden neben Staatsanleihen auch liquide Bonds von staatsnahen Institutionen sowie Pfandbriefe und ausgewählte Unternehmensanleihen gehandelt. Dazu kommen noch Wertpapierleihe-, also Repo-Geschäfte. Im vergangenen August war MTS in die Schlagzeilen geraten, weil die US-Bank Citigroup die Plattformen nutzte, um auf einen Schlag Anleihen über rund zwölf Mrd. Euro zu verkaufen. Zuvor soll sie die Kurse über den Terminhandel an der Eurex nach oben getrieben haben. Die deutsche und die italienische Staatsanwaltschaft sowie mehrere Finanzaufsichten prüfen zurzeit, ob die Citigroup den Markt manipuliert hat.

Dem elektronischen Handel hat der Citigroup-Deal nicht geschadet. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Barings Point handeln Banken in Europa untereinander bis zu 60 Prozent ihres Volumens an Staatsanleihen auf elektronischen Plattformen. Dabei gilt MTS als die bedeutendste Plattform.

Aus dem Umfeld der Handelsplattform ist unter der Hand zu hören, dass Börsenunternehmen als mögliche Fusionspartner am interessantesten seien. Da mögliche Partner international aufgestellt sein sollten, gelten Deutsche Börse und Euronext als heiße Kandidaten.

Die Deutsche Börse betreibt zusammen mit der Schweizer Börse SWX die weltgrößte Terminbörse Eurex. Mit Eurex Bonds unterhält die Eurex zudem selbst eine elektronische Plattform für Anleihen, die als führend bei deutschen Bundesanleihen gilt. Die Euronext umfasst die Kassamärkte in Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris sowie die Londoner Terminbörse Liffe. Sie ist außerdem an MTS Frankreich und an MTS Next – einem Anbieter von Anleiheindizes – beteiligt. MTS-Chef Gianluca Garbi hatte schon im Januar erklärt, dass die Plattform einen möglichen Zusammenschluss mit Euronext erwäge. Dies schließe jedoch andere Alternativen nicht aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%