Finanzkreise
Zweifel an rascher Einigung von Börse und Euronext

Der Zusammenschluss der Deutschen Börse und der französisch dominierten Euronext ist laut einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ in greifbare Nähe gerückt. In Finanzkreisen wurden aber Zweifel an einer raschen Einigung laut.

HB FRANKFURT. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Euronext-Chef Jean- Francois Theodore seien sich grundsätzlich auch in schwierigen Punkten einig, berichtete die Zeitung am Mittwoch vorab aus der Donnerstagausgabe unter Berufung auf Finanzkreise. Noch vor den beiden Hauptversammlungen in rund zwei Wochen könnte es zu einer grundsätzlichen Übereinkunft kommen. Die angestrebte „Fusion unter Partnern“ könne aber noch an den schwierigen juristischen Rahmenbedingungen scheitern. Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, die Euronext war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Zwei Personen, die mit der Sache vertraut sind, bremsten die Erwartungen. Zwar machten die Gespräche Fortschritte, doch sei eine so rasche Einigung unwahrscheinlich. Schriftlich sei noch nichts ausgearbeitet.

Die Euronext, die die Börsen in Amsterdam, Paris, Lissabon und Brüssel sowie die Londoner Derivatebörse Liffe betreibt, hat erst in der vergangenen Woche klar gemacht, dass sie sich nicht in eine Fusion drängen lassen wolle. Sie riet ihren Aktionären, auf der Hauptversammlung den Antrag zweier Anteilseigner nicht zu unterstützen, die die Fusion vorantreiben wollen. Die Führung der Euronext brauche mehr Zeit. Die Mehrländerbörse hatte aber Gespräche mit der Londoner LSE abgebrochen, für die sich nun die US-Technologiebörse Nasdaq interessiert. Sie hat am Mittwoch ihren Anteil bis auf 24,1 Prozent aufgestockt. Der „Welt“ zufolge will Francioni die Mehrheit der Sitze im Vorstand des fusionierten Börsenkonzerns. Das sei noch strittig.

Die Deutsche Börse beharrt nach früheren Angaben auf Frankfurt als Sitz des Vorstands, ist aber in der Frage des juristischen Sitzes kompromissbereit. Auf jeden Fall aber will Francioni das integrierte Geschäftsmodell mit dem Abwickler Clearstream erhalten, das die Fusion mit der kleineren Euronext auf gleicher Augenhöhe schwierig macht. Der „Welt“ zufolge könnte das Problem mit einer Holding gelöst werden, die den Börsenbetreibern in den einzelnen Ländern weit reichende Selbstständigkeit sichere. Die Anwälte arbeiteten daran.

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