Finanzkrise
Börsianer suchen verzweifelt nach Halt

Die Börsen brechen weltweit in beängstigendem Tempo ein. Experten rätseln, was den Absturz stoppen könnte. Wie wäre es, die Märkte für ein paar Tage einfach dicht zu machen? Davon will man an der Deutschen Börse nichts wissen und auch mancher Großinvestor fürchtet eine drohende Zwangspause.

FRANKFURT. Der Absturz an den Börsen scheint unaufhaltsam. Seit Jahresbeginn haben die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt - zusammengerechnet rund 500 Mrd. Euro. Auch in New York, London und Tokio wurden Milliarden vernichtet. Finanzmarktexperten rätseln, was den freien Fall jetzt noch stoppen kann.

Nouriel Roubini, Professor an der Universität New York, hält eine weltweite Börsenpause für denkbar. Auf einer Konferenz in London sagte der Finanzexperte: "Wenn der Ausverkauf anhält, könnten die Politiker gezwungen sein, die Märkte für eine Woche oder länger zu schließen." Fast wäre seine Prognose eingetroffen, als am Freitag die Futures auf die wichtigsten US-Indizes das maximal erlaubte Tagesminus erreichten - der Handel der Terminkontrakte wurde zeitweise gestoppt. Schon spekulierten Experten, ob der Handel der New Yorker Börse völlig eingestellt werden würde. Ein Sprecher der Börse musste öffentlich erklären, dass an solchen Gerüchten nichts dran sei.

Mancher Großinvestor fürchtet eine drohende Zwangspause. "Die Vorstellung, dass die Märkte geschlossen werden könnten, macht mir Sorgen", sagt David Harding, der als Gründer von Winton Capital Management über 15 Mrd. Dollar verwaltet. Er hält sich deshalb zurzeit mit Investitionen zurück. "Mit dem Geld meiner Kunden will ich einer solchen Situation auf keinen Fall ausgesetzt sein."

Von Handelsunterbrechungen will die Deutsche Börse nichts wissen. Allenfalls die Aussetzung einzelner Aktien sei sinnvoll, sagt Frank Herkenhoff von der Börse in Frankfurt. Dies geschehe immer, wenn kein ordnungsgemäßer Handel gewährleistet werden könne. "Die komplette Schließung wäre keine Lösung - man kann den Verkaufsschub nicht aufhalten", sagt Herkenhoff. Der Einbruch der Kurse wäre nur aufgeschoben auf den Tag, an dem der Handel wieder geöffnet wird. Wenn nicht gehandelt wird, könnten sich Marktteilnehmer zudem Kanäle suchen, die nicht durchschaubar und regelbar seien.

Die Entscheidung, ob der Handel eingestellt wird oder nicht, trifft der Börsenbetreiber ohnehin nicht allein. Zuständig ist die Finanzaufsicht BaFin. Sie kann den Handel "zur Beseitigung oder Verhinderung von Missständen" aussetzen, heißt es im Wertpapierhandelsgesetz. Auch die Bundesregierung kann Börsen durch eine Rechtsverordnung schließen. Im Bundesfinanzministerium heißt es zurzeit aber, es gebe keine derartigen Überlegungen.

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