Finanzkrise
Dubais Nachbarstaaten geraten in den Sog

Die Finanznot des Wüstenstaates Dubai greift jetzt auch auf andere Staaten der Region über. In Abu Dhabi, Katar und Saudi-Arabien bröckelten die Kurse von Aktien und Anleihen. Die Sätze für Kreditausfallversicherungen stiegen. Breitet sich eine neue Schockewelle der Finanzkrise aus?
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DUBAI. Dubais Schuldenkrise greift zunehmend auch auf die ölreichen Nachbarstaaten über. "Kurzfristig gerät die Region in den Negativsog Dubais, langfristig werden die Märkte aber stärker nach wirtschaftlichen Fundamentaldaten differenzieren", sagt John Sfakianakis, Chef-Ökonom der Saudi Fransi Bank in Riad.

In den vergangenen Tagen sind die Aktien- und Bondkurse in Abu Dhabi, Katar und Saudi-Arabien abgebröckelt, die Sätze für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) stiegen hingegen. Bei allen drei Indikatoren waren die Ausschläge allerdings deutlich geringer als in Dubai. Die Börsen im Nahen Osten haben sich gestern zwar leicht stabilisiert. Doch infolge der Einbrüche seit dem 26. November wurden in Dubai, Abu Dhabi und Katar fast alle Gewinne seit Anfang des Jahres verbrannt.

Internationale Investoren haben bereits reagiert. So kaufte die amerikanische Allianz-Tochter Pimco Anleihen von Abu Dhabi und Katar. "Wir haben uns mit Katar-Bonds eingedeckt, weil die Kurse wegen der Sorgen um Dubai gefallen sind", sagt Pimco-Manager Michael Gomez. Die Gas-Großmacht Katar hatte kürzlich eine Anleihe über sieben Milliarden Dollar aufgelegt - das ist der Rekord unter Schwellenländern.

Die Ratingagentur Moody?s will sieben Staatsunternehmen in Abu Dhabi auf eine mögliche Herabstufung überprüfen. Darunter befinden sich auch der Ferrostaal-Großaktionär IPIC und der EADS-Partner Mubadala. "Die gegenwärtigen Bewertungen profitieren von der Annahme, dass die Regierung implizit eine starke Unterstützung bietet", heißt es in dem Bericht. Nach den Erfahrungen bei Dubai World müsse dies jedoch überdacht werden. "Es ist durchaus denkbar, dass das Emirat Abu Dhabi bei seiner Finanzunterstützung künftig wählerischer wird", sagt ein Bankchef. "Eigene Staatsfirmen, die mit einem hohen Anteil an Fremdkapital arbeiten wie etwa Mubadala, könnten keinen Blankoscheck mehr bekommen."

Die Einschätzung ist das Ergebnis einer Trendwende. Bis zur Eskalation von Dubais Schuldenkrise sind internationale Investoren und Ratingagenturen davon ausgegangen, dass die Regierungen bei Finanzproblemen ihrer staatlichen Gesellschaften einschreiten. Seit der drohenden Zahlungsunfähigkeit der Dubai-World-Tochter Nakheel gilt dieser Rettungsschirm nirgendwo mehr als sakrosankt. Banker weisen darauf hin, dass der Vertrauensverlust in Dubai auf die gesamte arabische Welt abstrahle. Die Finanzierungskosten auf dem internationalen Kapitalmarkt würden sich vor allem für Dubai erhöhen, arabische Staaten seien aber auch betroffen.

Kapitalspritze nicht ausgeschlossen

Nach Ansicht lokaler Finanzinstitute in Abu Dhabi steigt der Druck auf Dubais Nachbar-Emirat. "Jetzt geht es auch um das Geschäftsmodell Abu Dhabis: Die Regierung kann kein Interesse daran haben, dass die Kreditkosten für den Staat und staatliche Firmen steigen", sagt ein Spitzenbanker. Finanzexperten schließen daher nicht mehr aus, dass Abu Dhabi am Montag, dem Fälligkeitsdatum für die vier Milliarden Dollar schwere Nakheel-Anleihe, eine Kapitalspritze gewährt. "Eine schnelles, deutliches Signal würde die Märkte beruhigen", sagt ein Bankchef. "Und Dubai bekäme eine Atempause für die große Umstrukturierung."

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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