Finanzkrise erreicht arabische Staaten
Protest vorm Palast des Emirs

Die Börsen des Mittleren Ostens rutschen immer tiefer in den Strudel der internationalen Finanzkrise. In Saudi-Arabien und Dubai stürzten am Montag die Kurse zeitweise um bis zu sechs Prozent ab. In Kuwait machten Investoren ihrem Ärger erstmals öffentlich Luft.

DUBAI Etwa 40 Wertpapierhändler marschierten einen Kilometer von der Börse bis zum Palast von Emir Sabah Al-Sabah, um eine staatliche Intervention einzufordern. "Das ist ein nationales Desaster", sagte der Makler Mohammed Al-Dosari, der umgerechnet 1,4 Mio. Dollar versenkt hatte. "Wir wollen, dass diese Panik endlich aufhört."

Die Börse von Kuwait, die von Januar bis Mai exorbitante Gewinnsprünge aufwies, wurde besonders hart getroffen. Seit Juni sackten die Kurse um 35 Prozent ab. Am Sonntag musste die Zentralbank von Kuwait der Gulf Bank unter die Arme greifen, die wegen hoher Verluste im Derivate-Handel ins Schlingern geraten war. Die kuwaitische Regierung kündigte daraufhin staatliche Garantien für alle Einlagen bei inländischen Finanzhäusern an. Aufgeregte Kunden räumten am montag ihre Spar-Guthaben bei der der Gulf Bank leer. "Derzeit regiert der Angst-Faktor", betont Kamran Butt vom Mittelost-Büro der Credit Suisse in Dubai. "Viele Anleger haben sich auch an anderen Börsen die Finger verbrannt und steigen jetzt auf breiter Front aus: Die globalen Finanzplätze sind vernetzt wie nie zuvor."

Nach Ansicht von Experten ist es wahrscheinlich, dass die kuwaitische Regierung die Märkte durch Kapital-Injektionen beruhigen wird. So hat die Kuwait Investment Authority, einer der weltweit größten Staatsfonds, bereits Anfang Oktober 200 Millionen Dollar für den Kauf lokaler Aktien locker gemacht. Kuwait verfügt im Gegensatz zu den übrigen Golfstaaten über ein Parlament, das das Ohr sehr nah an der Volksstimmung hat. Staatliche Eingriffe in aufgewühlte Märkte haben Tradition: In den 80er- und 90er Jahren kam die Regierung zeitweise voll für die Verluste von Aktionären auf.

Am Handelsplatz in Riad, der mit rund 400 Milliarden Dollar die größte Marktkapitalisierung der Golfstaaten aufweist, wurde am meisten Geld verbrannt. Seit Jahresbeginn sackten die Kurse um mehr als 52 Prozent ab. Viele Investoren wurden in der Vergangenheit durch die Flut der Börsengänge angelockt: 2007 gab es 27 IPOs, seit Januar bis dato 69 - das zweitgrößte Volumen nach der New York Stock Exchange. "Lange Zeit war es leicht, an der saudischen Börse Geld zu verdienen - aber jetzt überträgt sich das globale Sentiment voll auf die Region", erklärt Ingmar Burgardt von der BHF-Bank in Abu Dhabi.

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