Finanzkrise
Japan erwägt Eingriff am Aktienmarkt

Japans Regierung erwägt den direkten Ankauf von Aktien an der Börse Tokio, um das Kursniveau anzuheben. Der Staat müsse Wege prüfen, um den Markt wiederzubeleben, sagte gestern Finanzminister Kaoru Yosano in Tokio.

TOKIO. Im Gespräch ist die Gründung eines Fonds, der systematisch Stützkäufe durchführen würde. Eine solche Einrichtung gab es in Japan bereits in den 60er-Jahren. Damals übte der Staat jedoch noch insgesamt viel größere Kontrolle über das Wirtschaftsleben aus. "Details kennen wir noch nicht, doch der Plan hat das Potenzial, den Nikkei wieder über 8 000 Yen zu stabilisieren", sagt Analyst Eiji Doke von der UBS. Gestern zog der Nikkei zeitweilig klar an.

Von den Aktienkursen hängen auch die Bilanzen der japanischen Banken und Unternehmen ab. Sie investieren hauptsächlich im Inland. Aus der Dauerkrise in den 90er-Jahren hat Japan jedoch gelernt: Wenn die Wirtschaft damit beschäftigt ist, entwertete Aktiva in ihren Bilanzen auszugleichen, kommt das Wachstum trotz aller Konjunkturprogramme nicht in Schwung. Mit Bewertungen überwiegend unter 8 000 Yen gilt der Nikkei seit Beginn der Wirtschaftskrise als extrem billig - so tief stand der Leitindex auch nach dem Platzen der japanischen Investmentblase 1990 nicht. Gerade in den vergangenen Tagen erreichten die Kurse ein Niveau, das der Nikkei zuletzt gesehen hatte, als Japan sich noch in der industriellen Aufholjagd mit dem Westen befand.

Die Anleger haben Grund zum Pessimismus, sagen Analysten. Die große Exportabhängigkeit der Industrie hat deren Vorjahresgewinne in herbe Verluste umschlagen lassen - das reißt auch die Kurse ihrer Anteilsscheine in die Tiefe. Dazu kommt der vermutlich dauerhaft hoch bewertete Yen, der Auslandsgewinne entwertet.

Das Finanzministerium betreibt bereits eine "Banks? Shareholdings Purchase Corp." mit der Aufgabe, gezielt Aktien von Banken anzukaufen. Ursprünglich diente diese Einrichtung der Entflechtung der Japan AG. Jetzt könnte ihr Zweck auf allgemeine Interventionen ausgeweitet werden. Die Stützkäufe für den Aktienmarkt sollen nicht direkt mit Steuergeld erfolgen. Die Regierungspläne sehen vor, am Markt Geld einzusammeln und dafür Aktien zu kaufen. Die Regierung würde jedoch eine Rendite garantieren. Für die Garantien ständen laut einem Gesetzentwurf 20 Bill. Yen (160 Mrd. Euro) zur Verfügung. Wenn sich der Aktienmarkt nicht auf völlig abnorme Tiefständen bewegt, müsste dieses Geld jedoch gar nicht abgerufen werden. Die Geldanlagen würden dann von selbst die nötige Rendite abwerfen. Ein Gewinn für alle Beteiligten inklusive des Staates ist also als Effekt des Programms ebenso gut denkbar wie eine Umverteilung von Steuergeld an Profi-Investoren.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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