Finanzmärkte
Börsenturbulenzen erschüttern Vertrauen

Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen haben nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gezeigt, wie schnell neu erworbenes Vertrauen an den Finanzmärkten wieder verloren gehen kann. Neue Rückschläge sind demnach nicht auszuschließen.
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BERLIN. Das Vertrauen ging wieder verloren, als Dubai World vor knapp zwei Wochen um Zahlungsaufschub bat. Der Staatskonzern löste damit weltweit Kursverluste an den Börsen aus.

Der Rückschlag am Golf habe die Märkte zu einem Zeitpunkt getroffen, als die Marktteilnehmer damit rechneten, "dass sich die Erholung fortsetzen würde", stellen die Baseler Notenbanker in ihrem jüngsten Quartalsbericht fest. Der Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) analysiert Finanz- und Kreditmärkte von Anfang September bis Ende November.

Zu den vertrauensbildenden Maßnahmen bis zum Dubai-Schock zählen die Baseler Experten Fortschritte bei der Reparatur der Bankbilanzen. Diese seien an engeren Risikoaufschlägen auf Schuldtitel der Banken abzulesen. Nach umfangreichen Aktienemissionen amerikanischer Banken im ersten Halbjahr 2009 und nachfolgenden Kapitalaufstockungen europäischer Banken hätten zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise die gesamten Zuflüsse an Eigenmittel den laufenden Abschreibungsbedarf der Banken erreicht. Die Konsolidierungsmaßnahmen haben bei den führenden Banken in den ersten elf Monaten dieses Jahres zu einem durchschnittlichen Anstieg der Kernkapitalquote Tier 1 um ein Prozent geführt. Allerdings dürften die erheblichen Unterschiede in der Finanzposition einzelner Banken nicht übersehen werden, schränkt die BIZ ein.

Bis zum Dubai-Schock glaubten Investoren, die Krise sei beendet

Bis zur plötzlichen Zahlungskrise am Golf stellten die Baseler Experten kontinuierlich Veröffentlichungen "weitgehend positiver makroökonomischer Nachrichten" fest. Diese Nachrichten hätten die Anleger von Anfang September bis Ende November in der Annahme bestärkt, "dass die globale Wirtschaft die Trendwende tatsächlich geschafft hatte". Die Baseler Experten weisen aber darauf hin, dass die Marktentwicklungen nach wie vor "weitgehend von den aktuellen und erwarteten Impulsprogrammen und insbesondere der expansiven Geldpolitik bestimmt" werden.

Weil die Anleger bis zur jüngsten Krise mit weiterhin niedrigen Zinsen in den wichtigsten Volkswirtschaften rechneten, stiegen die Preise riskanter Anlagen und die Aktienkurse, vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Die Erwartung, dass die Leitzinsen noch längere Zeit tief bleiben würden, wie auch die niedrigen Aufschläge für langlaufende Kredite sorgten dafür, dass Renditen langfristiger Staatsanleihen nicht kletterten.

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