Finanzmärkte
Das Casino ist geöffnet

Der Dax erklimmt nach mehreren Anläufen den 7000er-Gipfel. Warum? Völlig egal. Gute Unternehmenszahlen und erfreuliche Konjunkturdaten sind es jedenfalls nicht. Die Börsen folgen in diesen Tagen ganz anderen Regeln.
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DüsseldorfDie Börse ist nicht mehr das, was sie einmal war.  Früher, das mag vielleicht fünf oder auch ein paar Jahre länger her sein, da konnte man sich auf gewisse Regeln verlassen: Wenn es den Unternehmen gut ging und die Konjunktur lief, dann stiegen auch die Aktienkurse. Andersherum ging es abwärts an den Börsen, wenn die Geschäfte nicht so gut liefen. Soweit so schlecht.

Heute dagegen funktioniert die Börse anders: Die hohe Politik, von der es früher immer hieß, sie könne die Börsen nur kurze Zeit beeinflussen, gibt den Takt vor. Und das seit Jahren schon. Die Investoren schauen nicht mehr in die Geschäftsberichte der Unternehmen, sondern lauschen den Pressekonferenzen von Angela Merkel, Mario Monti oder Monsieur Hollande. Wenn sie sagen, man komme bei der Euro-Rettung voran, dann klettert der Dax.

Wenn sie sich streiten, und es so aussieht, als käme man nie zu einer Lösung, dann sausen die Kurse nach unten. „Das macht es völlig unberechenbar“, sagt der Kölner Investor Max Otte. Als Anleger brauche man deswegen eine extrem hohe Schmerztoleranz. Viel höher, als das früher der Fall war. Vielen sei dies nicht bewusst.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist Mario Draghi. Der Italiener ist zwar kein Politiker, sondern Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), letztlich kommt es aber auf das Gleiche heraus. Seine vielbeschworene Unabhängigkeit steht nur auf dem Papier. Spätestens seit Beginn der Eurokrise ist Draghi den Politikern näher, als er das zugeben mag. Er ist zu einem Erfüllungsgehilfen der Euro-Regierungschefs geworden.

Vor kurzem sagte jener Draghi, dass man alles, aber auch wirklich alles tun werde, um den Euro zu retten – koste es, was es wolle.  Ein Versprechen, wer weiß, ob er es überhaupt halten kann. Aber ganz egal, den Investoren in aller Welt hat das gereicht. Sie haben ihr Geld bereitwillig an die Börsen geschafft. In Tokio, an der New Yorker Wall Street, in London oder Frankfurt stiegen die Aktienkurse seither kräftig.  

Kommentare zu " Finanzmärkte: Das Casino ist geöffnet"

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  • Ob man das, was im Moment an der Börse getrieben wird, überhaupt Handel nennen kann?
    Zu einer bestimmten Stunden werden ruckartig die Kurse hochgezogen. Freitags um 17.30 kann man beispielsweise die Uhr danach stellen. Normalerweise wurden am WE immer Gewinne mitgenommen. Jetzt wird die handelsarme Freierabendstunde genutzt, den Dax zu puschen.
    Irgend jemand zieht, jetzt in der Urlaubszeit und zu bestimmten handelsschwachen Tageszeiten die Kurse hoch, um so die Kleinanleger in die Märkte zu locken, damit man sie dann alsbald crashen lassen kann. Schätze, bis 7450 werden die Großen sie noch hochziehen und uns einen "notwendigen, weil Inflationsangst getriebenen Aktienboom" einwammern wollen. Ca. bei 7500 roundabout steigen sie dann fix aus.
    Montags und freitags ist übrigens an der Börse gar nix los. Die Privaten und Kleinen handeln sowieso kaum und die Beamten und Bank-Halbbeamten, die die Märkte puschen, machen offenbar nur eine Drei-Tage-Woche in ihrem Casino. Wers nicht glaubt, braucht sich nur mal die Verläufe der Börsen anzusehen.
    Vielleicht reicht für eine normale Arbeitswoche auch die Staatsknete nicht, mit der gepusht wird.
    Dafür haben wir ja demnächst Mario Drucki....., mit frisch Gedruckem kann dann das Casino voll loslegen.

  • Ich koennte auf rot oder schwarz setzen - aber ich setze auf 0 und davon haben wir genuegend und die Farbe spielt dabei keine Rolle. Ein sicherer Verlust. "Rien ne va plus".

  • Ich würde so sagen: Die Börsen sind ja ca. so als wenn es im Casino beim Roulette nicht nur die Null und die Doppelnull, sonder auch die Dreifachnull gibt. Und über den sogenannten Survivorbias bei Aktien spricht sowieso keiner der 'Experten'.

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