Finanzmärkte
Einträgliche Gerüchte

Gerüchte um Frankreich und seine Banken haben in der vergangenen Woche eine Wucht entfaltet, die man nur selten erlebt. Doch es gibt ein wirksames Mittel, um unlauteren Spekulanten das Handwerk zu legen.
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Gerüchte an der Börse zu verbieten ist wahrscheinlich so aussichtsreich wie der Versuch, Prostitution mit strafrechtlichen Mitteln spürbar einzudämmen. Börsengerüchte gibt es noch nicht so lange wie die Prostitution, die ja schon im Alten Testament mehrfach erwähnt wird – aber mit Sicherheit so lange, wie es Börsen gibt, also schon seit Jahrhunderten. Der schnelle Handel lebt geradezu davon, dass einzelne Anleger plötzlich ihre Meinung ändern, dass es einen Run auf bestimmte Werte oder eine Flucht aus ihnen gibt. Und alle, die Berufe rund um die Börse ausüben, kennen das Phänomen der unglaublich guten Tipps, mit denen man reich werden kann – die aber vor allem dazu dienen, Kunden zu ködern.

In der vergangenen Woche aber haben Gerüchte um Frankreich und seine Banken eine Wucht entfaltet, die man nur selten erlebt. Tatsächlich macht sich in den meisten Ländern strafbar, wer falsche Informationen streut, um daraus einen Kursgewinn zu erzielen. Und das wirksamste Mittel gegen diese Art von Spekulation wäre, wenn ab und zu tatsächlich mal jemand, der sich in dieser Weise schuldig gemacht hat, für ein paar Jahre ins Gefängnis wandert. Aber das Risiko beim Streuen von Gerüchten ist gering, und der Ertrag kann sehr hoch sein. Denn letztlich ist es sehr schwierig nachzuweisen, wer wann was mit welcher Absicht erfunden oder einfach nur weitergesagt hat.

Die modernen Kapitalmärkte beschleunigen die Wirkung von Gerüchten noch. Das Tempo der Nachrichten, die Hebelwirkung zahlreicher „innovativer“ Produkte und die erweiterten Möglichkeiten, an fallenden Kursen zu verdienen, sind geradezu ein Paradies für die Erfinder von bösen Gerüchten. Die Politik kann nur versuchen, dieses Räderwerk hier und da etwas zu bremsen oder wenigstens transparenter zu machen. Ganz abstellen kann sie es nicht.

Letztlich gibt es nur ein wirksames Mittel gegen Gerüchte: klare Kommunikation. Wer eindeutig sagt, was er vorhat und wo er steht, der schützt sich am besten vor unlauteren Spekulanten. Wer das Gegenteil tut, lädt sie geradezu ein, ihre schmutzigen Spielchen zu treiben. Das gilt für Politiker wie für Manager.

Europas Politiker sind auf das Gegenteil von klarer Kommunikation spezialisiert. Das liegt nicht nur an den handelnden Personen, sondern auch an den politischen Strukturen, die die Gesprächigkeit fördern, aber klare Entscheidungen behindern. Solange sich daran nichts ändert, werden Gerüchte ein einträgliches Geschäft bleiben.


Kommentare zu " Finanzmärkte: Einträgliche Gerüchte"

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  • Das beste Gegenmittel wären informationseffiziente Märkte - und nicht nur der Glaube daran. Ebenso Werkzeuge, die den aktuellen Grad der Effizienz bestimmen könnten. Bei Null-Effizienz wäre dann die Zeit der Gerüchte.

  • Gerüchte werden absichtlich in die Welt gesetzt. Ich gehe nach Faktenlage. Da sieht es allerdings sehr böse aus. Alle Jubelmeldungen sind für mich Kontraindikatoren. Da fallen nur noch Dumme rein: Inflationsmeldungen, Arbeitslosenzahlen, Aufschwung........und sonstige Blähungen aus der Presse.

  • Gerüchte verbreiten sich so exzellent, weil Presse und Medien in ungesunder Weise in der Hand weniger konzentriert sind.

    Welche Konsequenzen das hat, zeigt sich nirgendwo besser als beim Skandal im Medienimperium Rupert Murdochs, in den auch die Politik verstrickt ist, über den aber wieder auffällig rasch der Teppich des medialen Schweigens ausgebreitet wurde.

    In einer Welt, in der Nachrichten derart stark gesteuert werden können, spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob von Akteuren und Politikern klar kommuniziert wird oder nicht. Der beste Beleg dafür ist, dass die EU faktisch besser dasteht und erheblich mehr gegen die Schuldenkrise unternommen hat als die USA, die Finanzmärkte mit Unterstützung von presse und Medien aber dennoch fortlaufend den Eindruck erwecken, als sei das nicht der Fall und gerade von Europa gehe eine große Gefahr für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft aus.

    Das wirksamste Mittel gegen Gerüchte, wären wettbewerbliche Strukturen in der Presse- und Medienlandschaft. Eine höhere Zahl unabhängiger Anbieter wäre der beste Garant für Qualitätsjournalismus und eine effektive Kontrolle und Auslese jener Informationen, die verbreitet werden.

    Gruß
    Stefan L. Eichner

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