Finanzwelt in der Existenzkrise
Soros und die Superblase

Sie kramen bei Schumpeter und Hajek, zitieren Marx und Churchill: Finanzexperten rätseln und streiten bei einem Expertentreffen in New York darüber, wie die ausufernde Krise zu bewältigen ist. Am Ende der Superkonferenz steht die bange machende Botschaft: Selbst hochdekorierte Ökonomen, Finanzpolitiker und Banker kennen keinen Königsweg aus dem Dilemma.

NEW YORK. George Soros ist langes Warten gewohnt. Über 20 Jahre hinweg hat er der Finanzwelt eine Existenzkrise prophezeit, die erst jetzt Realität wurde. Diesmal muss sich der legendäre Spekulant zwölf Stunden gedulden, ehe all die hochdekorierten Ökonomen, Finanzpolitiker und Banker, die zuvor die Konferenz an der New Yorker Columbia University bestimmt haben, allein ihm zuhören.

Das Dinner in der holzvertäfelten Bibliothek der Casa Italiana ist geschafft; mit feuchten Augen tritt Soros, 78, ans Rednerpult. Während die Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Edmund Phelps an Lammkeule mit Kartoffelpüree und Möhrchen kratzen, spricht der ungarisch-stämmige Investor über die "Detonation einer Superblase".

Es sei wie nachdem Kollaps des Sowjet-Systems, warnt Soros: "Die Menschen verstehen nicht,was um sie herum passiert." Der Veteran liefert eine Anklage gegen jene, die das Finanzmonster aufgebaut und gefüttert haben: "Was habt Ihr nur angestellt?", ist Soros? Kernbotschaft.

Das Finanzsystem werde nur noch "künstlich am Leben gehalten". Die Eliten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind bei der Aufarbeitung der Probleme zwar weiter, auf dem Weg nach vorn aber gleichermaßen ratlos und vielstimmig. "Wege aus der Finanzkrise" hat die Columbia University ihre Konferenz überschrieben, doch konstruktive Ideen zur Bekämpfung der Rezession haben die wenigsten der 32 Redner zu bieten. Sie kramen bei Schumpeter und Hayek, zitieren Marx und Churchill und trösten sich am Ende mit Goethe: "Zum Gelde drängt doch alles."

Weil das allein nicht hilft, warnt Yale-Professor Robert Shiller vor "Trägheit" in einer Zeit, in der man dringend handeln müsse.

Die Krise managen, aber wie?

Nobelpreisträger Robert Mundell hält eine Senkung der Unternehmenssteuern für des Rätsels Lösung, doch Harvard-Ökonom Jeffrey Sachs widerspricht energisch: "Die Idee, dass uns Steuersenkungen aus dem Dilemma helfen, ist nicht realistisch." Shiller sehnt sich nach einer "Demokratisierung des Finanzsystems" mit subventionierten Vermögensberatern. Stiglitz fordert Hilfen für "gute Banken, anstatt Bad Banks mit Milliardensummen zu stützen". Kollege Mundell kanzelt die bisherigen Krisenprogramme der US-Regierung als "extrem naive Versuche" ab.

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