Finanzzentren
Der Finanzplatz Frankfurt verliert an Attraktivität

Der Finanzplatz Frankfurt fällt im internationalen Vergleich zurück. In dem jährlich vom World Economic Forum (WEF) erstellten Ranking der weltweit führenden Finanzplätze verliert Deutschland einen Platz und landet auf Rang 13. Dagegen haben die Asiaten Boden gutgemacht. Sie setzen auch die USA und Großbritannien unter Druck.
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ZÜRICH. Der Finanzplatz Frankfurt fällt im internationalen Vergleich zurück. Deutschland nimmt in einem Vergleich der führenden Finanzplätze der Welt, den das World Economic Forum (WEF) erstellt hat, nur den 13. Platz ein. Im vergangenen Jahr lagen die Deutschen noch auf Platz zwölf. Negativ zu Buche schlagen die gesunkene Stabilität des Finanzsystems sowie die geringe Effizienz der deutschen Banken.

Das WEF misst jedes Jahr die Leistungsfähigkeit der 57 großen Finanzplätze. Insgesamt bewerten die Experten dabei 120 Merkmale, die vom Wirtschaftsklima über die Finanzstabilität bis hin zur Größe und Tiefe der Kapitalmärkte reichen.

Auch die Spitzenstellung von New York und London als führende Finanzzentren der Welt ist gefährdet. Zwar können beide Städte in der Hitliste noch die führenden Plätze einnehmen. Hongkong und Singapur haben jedoch aufgeholt. Grund für die Schwäche des angelsächsischen Spitzenduos ist ebenfalls die deutlich geringere Stabilität des Finanzsystems nach der großen Krise 2007/08.

"Obwohl die USA und Großbritannien ihre Spitzenstellung vor allem dank ihrer tiefen und aktiven Finanzmärkte halten konnten, gibt es doch bedenkliche Anzeichen, dass ihre Führung gefährdet ist", sagte Kevin Steinberg, Chief Operating Officer des WEF in den USA. So landen die USA bei der Stabilität ihres Bankensystems weit abgeschlagen auf dem 52. Platz. Die britischen Banken liegen sogar noch zwei Plätze dahinter. Amerikanische und britische Banken hatten in der Finanzkrise hohe Verluste eingefahren und konnten zum Teil nur durch Staatshilfen gerettet werden. Hongkong und Singapur glänzen dagegen mit hohen Bewertungen für Finanzstabilität und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Allerdings stellen die WEF-Fachleute auch in den Schwellenländern Defizite fest. So seien die dortigen Finanzplätze bislang noch nicht "robust" genug, um den enormen Wachstumsschub der aufstrebenden Volkswirtschaften zu bewältigen. "Ihre Finanzsysteme sind zwar stabil, aber die Leistungsfähigkeit gerade in den lokalen Anleihemärkten und im Angebot von Finanzdienstleistungen muss noch deutlich besser werden, wenn das wirtschaftliche Wachstum nicht gefährdet werden soll", sagte James Bilodeau, Chef der Schwellenländer-Finanzgruppe beim WEF.

Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung seien ausreichende Kreditangebote wichtig. Da die Möglichkeiten der Banken in den Schwellenländern begrenzt seien, komme es stark auf das zusätzliche Kreditangebot durch Anleihen an. Zudem böten lokale Bondmärkte einen guten Schutz gegen volatile Kapitalflüsse aus dem Ausland.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Finanzzentren: Der Finanzplatz Frankfurt verliert an Attraktivität"

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  • @alfred
    ich sehe die Gefahr darin, dass sich Goldman und Konsorten mit den "Neuen" 600 Mrd USD überall in Europa einkaufen.
    Nichts ist schlimmer, als diese Mafia vieleicht bei RWE oder E.on in der Mehrheit zu haben.
    Es braucht in D Regeln für den Eintrit in die "lebenswichtigen" Unternehmungen.
    Man muß es sich einmal vorstellen, da werden virtuell 600 Mrd. geschaffen und damit können Sachwerte aufgekauft werden.
    Wer kauft den den DAX nach oben ?

  • Wir müssen Anreize schaffen, um die investoren nach Deutschland zurück zu holen. Diese überbordenden Verbote und Vorschriften müssen wieder fallen, sonst fällt Deutschland. Die Wirtschaft kann nur funktionieren mit befreiten Finanzinstituten und vernüntigen, den bedürfnissen der Wirtschaft angelichenen Gehältern für technische Fachkräfte. Die Politik kann wählen zwischen Aufstieg oder Untergang für Deutschland.

  • "Auch die Spitzenstellung von New York und London als führende Finanzzentren der Welt ist gefährdet"

    Glaub ich nicht - das sind doch die Standorte mit den absolut "erstklassigen" Spielcasinos.
    Nur es reicht nicht ein paar Hütchenspieler auszuwechseln.
    Außerdem sind die Jungs überbezahlt.
    "Spitzenkräfte" aus Osteuropa schieben die Hütchen sicher auch für die Hälfte.
    Oder im Rahmen der Globalisierung gleich die komplette Auslagerung nach Asien.
    Das wärs.
    Warum nur die industrie ?
    Wer weg ist macht hier keinen Schaden.
    Und dann braucht es noch neue Spielregeln.

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