Flash Crash
Was den US-Börsencrash im Mai verursachte

Lange rätselten die US-Händler wie es im Mai zum Absturz an der US-Börse kommen konnte. Innerhalb eine halben Stunde sackte der Dow Jones um 1000 Punkte ab - "Flash Crash" nennen Experten dieses Phänomen. Jetzt fand die SEC den Grund für den Überraschungsabsturz.
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HB WASHINGTON. Die US-Regulierungsbehörden haben das Rätsel um den dramatischen Wall-Street-Kurseinbruch vor knapp fünf Monaten nach eigenen Angaben gelöst. Ein einzelner großer Handelsteilnehmer habe den sogenannten „Flash Crash“ am 6. Mai verursacht, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Abschlussbericht der US-Börsenaufsichten SEC und CFTC. Ein Name wird in dem Dokument nicht genannt. Internen Börsenpapieren zufolge handelt es sich aber um den Investmentfonds Waddell & Reed Financial.

Laut dem Abschlussbericht tätigte der Marktteilnehmer vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise Absicherungsgeschäfte und verkaufte 75 000 sogenannter E-Mini-Kontrakte. Der E-Mini ist ein vor allem bei Hedgefonds beliebter Terminkontrakt, bei dem auf die Entwicklung des S&P 500 spekuliert wird. Beim „Flash Crash“ stürzte Dow Jones innerhalb von Minuten um rund 1000 Punkte. Der Verkauf mit einem Volumen von 4,1 Mrd. Dollar (3,1 Mrd. Euro) habe zwei Wellen eines Abzugs von Liquidität eingeleitet: Der freie Fall des New Yorker Leitindexes verunsicherte die Märkte und führte zu einer Verkaufswelle

Kritiker warnen schon lange, dass die automatischen Systeme außer Kontrolle geraten und Börsenabstürze auslösen können, weil niemand mehr eingreifen kann, wenn sich die Verkaufsaufträge in winzigen Zeiträumen gegenseitig hochschaukeln und am Ende ein Tsunami über die Märkte hinwegrollt. Auch Michael Grünewald, Wissenschaftler am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), hält solche Dominoeffekte für möglich. Die Börsianer machen sich Sorgen: Bei einer Umfrage des ZEW unter 193 Finanzmarktexperten meinten zuletzt zwei Drittel der Befragten, dass der computergesteuerte Handel die Stabilität der Finanzmärkte bedrohe.

Der Hochgeschwindigkeitshandel wächst atemberaubend schnell. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft Tabb Group machen die Computertrader in den USA bereits mehr als 70 Prozent des täglichen Handelsvolumens aus. Vor vier Jahren war es noch weniger als ein Drittel. An den großen europäischen Handelsplätzen sorgen die Computer inzwischen für 30 bis 50 Prozent der Aufträge. Zu den größten Spielern gehören Hedge-Fonds wie Citadel und Renaissance Technologies, aber auch spezialisierte Broker wie Getco aus den USA oder IMC mit Sitz in den Niederlanden sowie einige große Investmentbanken wie Goldman Sachs.

Kommentare zu " Flash Crash: Was den US-Börsencrash im Mai verursachte"

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  • Hier hilft nur eines: bREMSEN! börsenaufträge werden dann nur mit einer zeitlichen Verzögerung ausgeführt werden, die ruhig größenabhängig sein darf. Je größer ein Auftrag in Relation zum aktuellen Handelsvolumen ist, desto länger ist die Verzögerung.

    Man kann natürlich jetzt streiten, wieviel Verzögerung es sein soll. Nun, das Mindestmaß wäre, daß kein Zeitvorteil mehr entsteht durch die geografische Position des Marktteilnehmers, eine Zehntelsekunde ist da schon was. Und dann aufwärts gestaffelt bis zu mehreren Sekunden.

    Der bremser wettet, daß dann 50% der Volatilität aus dem Markt verschwinden.

  • Zitat:
    "Ein einzelner großer Handelsteilnehmer habe den sogenannten „Flash Crash“ am 6. Mai verursacht"

    - was für ein Quatsch!

    dieser eine war vielleicht der auslösende Anlass,
    aber definitiv nicht die Ursache!

    Die Ursache liegt natürlich im elektronischen, programmierten Handel!

    Die Situation an den börsen ist in der aktuellen Krisensituation eben extrem heikel:
    Der wirtschaftl. Ausblick alles andere als rosig,
    aber irgendwo müssen die Kapitalzuflüsse ja angelegt werden.

    ... solange die Kurse steigen, will natürlich jeder trotzdem davon profitieren - wie wackelig und unsicher die aktuellen Kursstände jedoch tatsächlich sind, zeigt sich dann an der "kurzen Leine", welche die Trader in ihren Programmen festgelegt haben:
    ein kleiner Kursrutsch genügt,
    und sofort wird eine Verkaufswelle eingeleitet.

    Man fürchtet anscheinend einen großen Crash und geht daher auf Nummer sicher.

    ... die Letzten beissen die Hunde.
    Und wer "die Letzten" sind, steht auch schon fest:
    die Kleinanleger, welche in träge Aktienfonds investiert sind, der Aktienanteil der "Rieserrentner" usw.

  • Guten Tag,.... ich habe die Leute von CNbC selten so verwirrt gesehen wie gestern Abend als sie versucht haben uns den selben Mist ( den Sie jetzt gedruckt haben ) zu erklaeren. Weder Marc noch bob von CNbC, noch Sie, noch ich .... haben diese Erklaerung verstanden oder gar begriffen. besten Dank

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