Flaute geht zu Ende
In Italien bewegt sich das IPO-Karussell

Mit dem Stromnetzbetreiber Terna kommt erstmals seit Jahren wieder eine große Aktienemission an den italienischen Markt.

ROM. Nach einer langen Flaute an der IPO-Front traut sich erstmals wieder ein großes Unternehmen an die italienische Börse: der Stromnetzbetreiber Terna. In der vergangenen Woche hat die Römische Marktaufsicht Consob ihr Einverständnis für die Operation gegeben, die mit einem voraussichtlichen Emissionserlös von 1,8 Mrd. Euro zu den größten in den vergangenen Jahre an den europäischen Märkten zählt. In Italien hat zuletzt im Jahr 2001 der Börsengang des Gasnetzbetreibers Snam Rete Gas eine ähnlich hohe Summe eingespielt. Analog stellt sich die Situation in Deutschland dar, wo nun alle Marktteilnehmer auf einen erfolgreichen Börsengang der Postgang hoffen, der allerdings zurzeit auf wackeligen Beinen steht.

„Das ist natürlich eine gute Nachricht, die schlimmste Phase scheint vorüber zu sein“, sagt Marco Opipari, Chef der Aktienanalyse der Rasbank in Mailand, „allerdings wird dies kaum den Markttrend entscheidend beeinflussen“, schränkt der Experte ein. Trotz des Volumens sei die Kapitalisierung von Terna zu gering, um als echter Test für den Zustand der Märkte zu gelten. Das große Interesse seitens institutioneller und auch privater Investoren, über das dieser Tage italienische Banken berichten, ist indes ein Indiz, dass selbst in Zeiten, die von großer Nervosität geprägt sind, qualitativ hochwertige Unternehmen durchaus ihre Chancen haben.

Terna besitzt als Netzbetreiber, der sich bislang vollständig im Besitz des Versorgungsriesen Enel befindet, ein extrem niedriges Risikoprofil. Das ist in dieser von Unsicherheit geprägten Börsenphase von Vorteil. Umsatz und Gewinn sind abhängig von der transportierten Menge Strom und den Tarifen, die eine öffentliche Regulierungsbehörde festsetzt. Sie orientiert sich dabei an den investierten Vermögenswerten, die nach der jüngsten Tariferhöhung bis 2007 eine Jahresrendite von 6,7 % bei bestehenden Assets und sogar 8,7 % bei Neuinvestitionen ermöglichen wird. „Wir gehen davon aus, dass dieses Niveau auch über 2007 hinaus gehalten wird“, sagt Terna-Präsident Fulvio Conti im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Bereits heute sind wir mit dieser Verzinsung Klassenbester in Europa.“

Terna gehören 38 000 Kilometer Stromleitungen in Italien und weitere 2 300 in Brasilien, wo der Markt ebenfalls reguliert ist. Zudem ist Terna im Bau und der Wartung von Hochspannungsleitungen tätig, was rund 7 % des gesamten Geschäftsvolumens ausmacht. Im vergangenen Jahr hat die Netzgesellschaft bei einem Umsatz von 919 Mill. Euro ein operatives Ergebnis von 436 Mill. Euro und einen Nettogewinn von 173 Mill. Euro erwirtschaftet.

Im ersten Quartal 2004 ist dank der Tariferhöhung der Nettogewinn um 30 % gegenüber dem selben Vorjahreszeitraum gestiegen. Auf Basis dieser Daten kalkulieren vom Handelsblatt befragte Analysten den Bruttowert des Unternehmens auf 5,5 Mrd. Euro. Zieht man von diesem Wert die Verschuldung in Höhe von 1,8 Mrd. Euro ab, errechnet sich ein „Enterprise Value“ von 3,7 Mrd. Euro. Mit dieser Kapitalisierung würde Terna voraussichtlich Pirelli aus dem Mailänder Leitindex Mib-30 verdrängen.

Platziert werden inklusive Zeichnungsreserve 50 % der Aktien, woraus ein theoretisches IPO-Volumen von 1,85 Mrd. Euro resultiert. Terna-Präsident Conti stellt angesichts des sicheren Geschäftsmodells maximal einen kleinen Preisnachlass auf diesen Wert beim IPO in Aussicht. Rund 30 % der Aktien sind für die italienischen Kleinanleger unter besonderer Berücksichtigung der Enel-Aktionäre und –Mitarbeiter reserviert. Die übrigen 70 % sollen an europäische und amerikanische institutionelle Investoren verkauft werden. Ende 2005 werden Stimmrechte von Enel auf 5 % begrenzt, um den Stromkonzern zu einem vollständigen Ausstieg bei Terna zu bewegen. Bis Juli nächsten Jahres muss Enel zudem seinen Anteil an Terna auf unter 20 % reduzieren, was die Emission einer zweite Tranche wahrscheinlich macht. Die Roadshow startet in der ersten Juni-Woche. Am 4. Juni wird die Preisspanne bekannt gegeben. In der dritten Juni-Woche – voraussichtlich am 21. Juni – wird der Emissionspreis bestimmt und wenige Tage später der Handel aufgenommen. Koordiniert wird der Börsengang von Goldman Sachs und der Mediobanca.

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