Fonds erheben Forderung nach Verkauf der FT-Gruppe – Vorstandschefin Scardino lehnt ab
Pearson-Aktionäre wollen Aufspaltung

Frustrierte Großaktionäre haben eine Diskussion um die Aufspaltung des Medienkonzerns Pearson plc losgetreten. Mehrere Investmentfonds und Analysten plädieren für einen Verkauf der FT Group mit dem Flaggschiff Financial Times.

dih LONDON. Sie argumentieren, dass die Finanzmedien keine Synergien mit den anderen Geschäftsfeldern des Konzerns, Schulbücher und Literatur, ergäben. Pearson lehnt einen Verkauf der FT Group ab und fühlt sich in dieser Strategie von der Mehrzahl der Aktionäre unterstützt.

Auslöser für die Diskussion um Pearson waren Äußerungen von Martin Cobb, einem Fondsmanager der angesehenen US-Investmentfirma Franklin Templeton, die mit zwölf Prozent zweitgrößter Pearson-Aktionär ist. Britische Medien zitierten ihn mit der Einschätzung, die FT könne in anderen Händen mehr wert sein und Pearson solle über einen Verkauf nachdenken.

Manager anderer Fonds sprangen ihm bei und äußerten sich ebenfalls enttäuscht über die Entwicklung des Unternehmens. John Hayes von der Investmentgesellschaft F&C sagte, es gebe keinen logischen Grund dafür, an der FT festzuhalten. Sie erhöhe den Wert des Unternehmens nicht.

Analysten sehen das ähnlich. Lorna Tilbian von Numis Securities rechnet vor, dass ein Verkauf der FT Group für 500 Mill. Pfund (735 Mill. Euro) Pearson ermöglichen würde, zehn Prozent der eigenen Aktien zu kaufen. Damit könne der Konzern den Gewinn je Aktie im gleichen Ausmaß steigern.

Die Debatte um die Konzernstruktur dürfte Pearson-Chefin Marjorie Scardino auch auf der Hauptversammlung am 29. April beschäftigen – obwohl Franklin Templeton inzwischen die Wogen zu glätten versucht.

Murdo Murchison, der den 23 Mrd. Dollar schweren Templeton Growth Fund inklusive der Pearson-Anteile managt, relativierte nämlich die Kritik seines Mitarbeiters: „Ich hätte das anders ausgedrückt“, sagte er. Die FT leiste zwar im Moment keinen Beitrag zum Aktienkurs von Pearson, doch sie habe das Potenzial dazu. Pearson sei kein Unternehmen, das einen Führungswechsel und eine radikale Umstrukturierung brauche.

Scardino hat schließlich seit ihrem Amtsantritt 1997 aus einem unübersichtlichen Konglomerat ein klar strukturiertes Unternehmen geformt. Sie trennte sich unter anderem von Anteilen an dem Freizeitparkbetreiber Tussauds, an dem Pay-TV-Sender BSkyB und an der Investmentbank Lazard und baute das Schulbuch-Geschäft aus.

Heute macht Pearson rund 60 Prozent des Umsatzes und fast zwei Drittel des Gewinns mit Schul- und Fachbüchern, vor allem in den USA. Das zweite Standbein ist die FT Group, zu der neben den Zeitungen der Financial-Times-Familie wie der nach wie vor verlustbringenden Financial Times Deutschland die französische Les Echos, der Economist und der Finanzinformationsanbieter IDC gehören. Als drittes Geschäftsfeld gehört der Literatur-Verlag Penguin zu Pearson.

Doch die klare Struktur brachte auch 2004 nicht die erhoffte Profitabilität. Der schwache Dollar drückte Umsätze und Gewinne unter das Vorjahresniveau und die Rendite auf das eingesetzte Kapital blieb bei mageren 6,2 Prozent. Während das Schulbuchgeschäft ordentlich abschnitt und die FT Group ihren Betriebsgewinn verbesserte, halbierte sich der Gewinn bei Penguin.

Doch auch das Flaggschiff Financial Times ist noch nicht aus den roten Zahlen heraus. Der Verlust reduzierte sich 2004 von 32 auf 9 Mill. Pfund, nachdem die FT ihre Kosten seit 2000 um ein Drittel verringert hat. Im laufenden Jahr soll die FT die Gewinnschwelle erreichen. Die Anzeigenerlöse lagen bis Februar um 3 Prozent über dem Vorjahreswert, doch die verkaufte Auflage des Londoner Mutterblatts schrumpft.

Bei einem Verkauf der FT dürfte es an Interessenten nicht mangeln. Dow Jones, der Verleger des Wall Street Journal und etliche britische Verlage werden als potenzielle Bieter gehandelt. Doch Marjorie Scardino hat sich schon vor Jahren mit dem berühmten Ausspruch festgelegt: „Nur über meine Leiche“.

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