Fonds-Spezialisten
„Ein Albtraum für kleine Verwalter“

Die Turbulenzen auf dem Finanzmarkt setzen besonders den kleineren Fondshäusern mit speziellem Angebot zu. Welche Folgen dies hat, erklärt Aymeric Poizot, Europa-Leiter für Fonds und Verwalter bei Fitch Ratings, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Herr Poizot, gefährden die Finanzmarktturbulenzen spezialisierte Vermögensverwalter?

Wir haben dies in unserer aktuellen Studie am Beispiel der Fondsanbieter für kleine und mittelgroße Aktien untersucht. Diese Titel waren besonders gebeutelt. Der SDax beispielsweise für kleine deutsche Aktien verlor in den letzten Monaten in der Spitze weit mehr als ein Drittel an Wert, Standardwerte im Dax gaben nur um ein Fünftel nach. Das kann für kleinere Fondshäuser mit speziellem Angebot in diesem Segment zur Überlebensfrage werden.

Reden wir hier über mehr als die Folgen eines starken Kursabschwunges?

Ja, wenn diese Anbieter ihr Geschäftsmodell nur auf dieses Aktiensegment ausgerichtet haben. Wenn zu den Kursrückschlägen noch Fondsrückgaben von Anlegern kommen, werden die Manager darüber hinaus zu Positionsliquidierungen in einen fallenden Markt hinein gezwungen. Das ist doppelter Stress für das Geschäftsmodell. Die Einnahmeseite kann schnell unhaltbar werden. Ein Albtraum.

Wie wirkt sich das aus?

Ein einfaches Rechenbeispiel: Ein Verwalter betreut eine Milliarde Euro, er hat in einem guten Jahr acht Millionen Euro Einnahmen aus Managementgebühren und zwei Millionen Euro aus Performancegebühren, bei fixen Kosten von sieben Millionen Euro. Das macht drei Millionen Euro Gewinn. Schrumpft das Kapital in einem schlechten Jahr durch fallenden Kurse und Rücknahme von Anlegergeldern auf 700 Millionen Euro, also um 30 Prozent, sinken auch die Einnahmen aus Managementgebühren, fallen die Einkünfte aus Performancegebühren möglicherweise ganz weg. Dann kommen Verluste von 1,4 Millionen heraus.

Warum sind diese Häuser anfälliger als andere?

Sie sind zum einen viel stärker auf Performancegebühren ausgerichtet und damit anfälliger bei schwierigen Märkten. Dann fällt diese Einnahme einfach weg. Es gibt auch keine Kompensation durch besser laufende Anlagesegmente. Die fixen Kosten fallen deshalb besonders ins Gewicht. Wenn die Anleger dann noch Anteile zurückgeben, können die Verwalter wegen der engen Märkte für kleine Aktien oft nur mit hohen Verlusten verkaufen - da hilft auch eine keine gute Titelauswahl. Das drückt die Fondsrendite weiter, animiert die übrigen Anteilsbesitzer zu Rückgaben. Das kann in einer tödlichen Abwärtsspirale münden.

Hat es solche Fälle gegeben?

In Frankreich musste der Anbieter Richelieu Finance im Januar aufgeben. Er hatte 3,5 Milliarden Euro vor allem in kleinen und mittelgroßen Aktien verwaltet. Es gab einen Notverkauf an KBC. Andere Verwalter schauen jetzt auch ihre Geschäftsmodelle genau an. Sie überlegen, ob sie in ihrer Rücknahmepolitik der Anteile oder beim Marketing reagieren müssen. Man könnte beispielsweise Rückgabefristen einführen ähnlich wie bei anderen weniger liquiden Marktsegmenten. Nehmen wir den Extremfall: Bei Hedge-Fonds mit ihren oft langfristigen Positionierungen sind Quartalsfristen die Regel.

Ist diese Anfälligkeit neu?

Ja, vor zehn Jahren gab es kaum kleine und unabhängige Häuser, die auf spezielle Segmente ausgerichtet waren. Viele dieser Verwalter sind erst in den letzten Jahren an den Markt gekommen. Größerer Anbieter haben zwar auch Probleme in diesem Markt. Nebenwertefonds wie der Provesta der deutschen DWS oder der Adiselect der Cominvest sind auch abgerutscht. Aber bei den großen Adressen mit umfassendem Produktangebot schlägt das kaum zu Buche. Da sind andere Anlagesegmente viel wichtiger.

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