Fondsmanager im Interview
„Buffett ist um die Antworten rumgetanzt“

Der Frankfurter Fondsmanager Hendrik Leber ist ein intimer Kenner von Warren Buffett. Seit fast 20 Jahren besucht er die Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway. Doch in diesem Jahr kommt er enttäuscht zurück.
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DüsseldorfHandelsblatt Online: Herr Leber, Sie haben am vergangenen Wochenende in Omaha in der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway gesessen. Zum wievielten Male haben Sie Warren Buffett live erlebt?
Hendrik Leber: Ich glaube, es war das 18. Mal. Das erste Mal war ich 1995 in Omaha. Da besuchten 3000 Aktionäre die Hauptversammlung. In diesem Jahr waren es 35.000.

Sie haben kräftig mitgeschrieben. Wie viele Seiten waren es in diesem Jahr?
13 Seiten mit Antworten auf 68 Fragen habe ich gefüllt. Ich schreibe so viel mit, weil sich häufig erst im Nachhinein erschließt, was er wirklich gemeint hat. Seine Antworten sind recht gehaltvoll – auch auf längere Sicht.

In diesem Jahr trat erstmals ein Hegde-Fonds-Manager auf, der gegen die Aktie von Berkshire Hathaway wettet. Hat Buffett die Fragen seines Kritikers beantwortet?
In der Vergangenheit war es häufig so, dass die Antworten besser waren als die Fragen. Dieses Mal waren die Fragen auf der Hauptversammlung besser als die Antworten. Dieser Fondsmanager, Doug Kass aus Palm Beach, hat richtig gut gefragt, scharf auf den Punkt gewiesen. Doch Buffett ist ziemlich rumgetanzt um die Antworten. Ich hatte auch den Eindruck, dass Buffett ein wenig versucht hat, seinen Kritiker lächerlich zu machen. Unter dem Strich fand ich den Fondsmanager besser als Warren Buffett.

Haben Sie ein Beispiel? Wo hat sich Buffett um eine Antwort herumgedrückt?
Eine wirklich gute Frage war, ob aus der Value-Aktie Berkshire Hathaway inzwischen ein Witwen- und Waisenpapier geworden ist? Doug Kass hat gefragt, wo die Analysen bleiben. Wenn Entscheidungen über viele Milliarden Dollar getroffen würden, erwarte er eine gründliche Analyse des Deals. Er fragte zudem nach den Renditen, die in den vergangenen Jahren nicht so gut waren wie gewohnt. Schließlich kam auch das große Thema Heinz auf: Wurde für den Ketchup-Hersteller zu viel hingelegt? Warren Buffett hat hier zugegeben, dass diese Beteiligung zu teuer bezahlt worden ist.

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  • Mit "=Eigenkapital" meine ich natürlich die Änderung des Eigenkapitals.

  • "Das trifft nur dann zu wenn die Reinvestitionsquote des Unternehmens sehr gering ist. Firmen die eine hohe Reinvestitionsquote von sagen wir mal 75% haben und ein ROE von 20% über 20 Jahre schaffen sind eine absolute Rarität."

    Wenn Sie mit Reinvestitionsquote den Anteil vom Gewinn meinen, der einbehalten wird, stimme ich Ihnen zu. Hab zwar gerade keine Zahlen zur Hand, aber das scheint selten zu sein. Ein Unternehmen, dass jedes Jahr 75 % des Gewinns einbehält und eine durchgehende Eigenkapitalrendite von 20 % erwirtschaftet, müsste pro Jahr um 15 % beim Ergebnis wachsen.

    Genau lassen sich die Abweichungen wahrscheinlich wie folgt erklären:
    Gewinn
    - Dividenden
    - Aktienrückkäufe
    + Ausgabe von neuen Aktien
    +/- direkte Verrechnung einiger Posten mit dem Eigenkapital (Comprehensive Income (US-GAAP), Gesamtergebnisrechnung (IFRS))
    = Eigenkapital

    Aber sicherlich ist die Eigenkapitalrendite aufgrund von Spielräumen bei der Höhe des Gewinns und bei der Höhe des Eigenkapitals in gewissem Maße manipulierbar, auch mittels einer höheren Verschuldung.

  • "Angesichts der dauerhaften Wettbewerbsvorteile sind Eigenkapitalrenditen von 20%+ nichts Besonderes..."

    Das trifft nur dann zu wenn die Reinvestitionsquote des Unternehmens sehr gering ist. Firmen die eine hohe Reinvestitionsquote von sagen wir mal 75% haben und ein ROE von 20% über 20 Jahre schaffen sind eine absolute Rarität.

    Walmart und Microsoft in jungen Jahren fallen mit dazu ein.

    Im übrigen sind die Angaben vom ROE die Firmen machen bis auf wenige Ausnahmen getürkt.

    Machen Sie mal den Ansatz Gewinn=Dividende+Steigerung vom Buchwert und zwar im Durchschnitt über ein paar Jahre.

    Sie werden feststellen das Geld fehlt, in der Regel sehr viel.

    Wo ist es hin ?

    Ganz einfach, es hat es nie gegeben oder anders ausgedrückt ist die Ausschüttungsquote der allermeisten Firmen viel höher als die angeben.



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