Frankfurt plant Handelsstart um 8.30 Uhr
Börse öffnet bald früher

Neue Konkurrenten zwingen die Deutsche Börse zu überraschenden Abwehrmaßnahmen. So plant der deutsche Marktführer, den Handel mit Aktien, Renten und Zertifikaten demnächst eine halbe Stunde früher, also um 8.30 Uhr, beginnen zu lassen.Und die Börse plant weitere Abwehrmaßnahmen.

FRANKFURT „Eine endgültige Entscheidung fällt der Börsenrat am 16. Juli“, sagte ein Sprecher. Hintergrund ist, dass die im August in den Markt startende Investmentbankenbörse Turquoise um 8.45 Uhr mit dem Handel beginnt. „Man will nicht, dass der erste Kurs des Tages etwas von Siemens auf einer ausländischen Plattform festgestellt wird“, hieß es in Börsenkreisen. „Da geht es um Reputation“. In den Kreisen hieß es auch, die Börse plane weitere Abwehrmaßnahmen.

Plattformen wie Turquoise oder Chi–X drängen auf den europäischen Aktienmarkt. Ermöglicht wurde dies durch die seit November 2007 geltende EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid. Investmentbanken, denen die Monopolstellung der Börsen ein Dorn im Auge ist, hatten Brüssel dazu ermutigt. Nun schicken sie eigene Plattformen ins Rennen, die mit niedrigen Gebühren die etablierten Konkurrenten angreifen sollen. Die bereits funktionierende Bankenbörse Chi-X hat so in wenigen Monaten einen Marktanteil am deutschen Aktienhandel von gut neun Prozent erkämpft. Die Aktien der großen Börsen haben seither massiv an Wert verloren, weil die Anteilseigner mit fallenden Einnahmen rechnen. Allein die Titel der Frankfurter Börse haben seit Dezember 2007 mehr als 40 Prozent eingebüßt.

Die geplante Maßnahme der Frankfurter überrascht, weil der Börsenrat erst vor rund zwei Monaten auf Druck der Deutschen Börse eine von den Brokern gewünschte Handelszeitveränderung abgelehnt hatte. Damals ging es nur um das Parkett. Es hieß, die Großbanken wollten dies nicht. Zudem sei das auch für die Börse ein teures Unterfangen.

Jetzt soll nicht nur im Börsensaal, sondern auch auf dem elektronischen Handelssystem Xetra früher gestartet werden. Xetra ist das System, auf dem sich fast ausschließlich die Großbanken tummeln. Auf diese kommen nun höhere Kosten zu, weil sie ihre Handelssäle früher besetzen müssen. Es wird aber damit gerechnet, dass die Rolle rückwärts im Börsenrat durchgeht. Die Großbanken, die bislang gegen längere Handelszeiten gewettert hätten, stünden ja auch hinter den neuen Konkurrenten der Börse und seien daher für die Lage mit verantwortlich, hieß es aus dem Gremium.

Anders als Frankfurt hatte sich die kleinere Berliner Börse im April zu einer Vorverlegung des Handelsstartes um eine halbe Stunde entschlossen. Damals wollte man Transaktionen von außerbörslichen Systemen anlocken. Wegen der schlechten Kapitalmarktsituation seien die Handelsumsätze in dieser Zeit aber noch sehr dünn, sagte Vorstandschef Jörg Walter. Daher könne man noch nicht sagen, ob sich die Maßnahme gelohnt habe.

Die übrigen Regionalbörsen verhalten sich zunächst abwartend. „Ob wir die Handelszeiten ausdehnen, ist noch offen“, sagte ein Sprecher der zweitgrößten deutschen Börse in Stuttgart. Bei der zweitgrößten europäischen Börse, der Pariser Euronext, zeigt man sich ebenfalls kühl. „Es gibt keine Änderung“, sagte ein Sprecher.

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