Frankfurter Gespräch
Run auf frisches Geld

Viele Unternehmen werden sich in diesem Jahr frisches Eigenkapital genehmigen lassen, um für den weiteren Verlauf der Rezession gerüstet zu sein. Banken raten zu dem Schritt - und potentielle Investoren sind gespannt.

Die in den kommenden Wochen anstehende Hauptversammlungs-Saison dürfte eine der spannendsten seit Jahren werden. Der Grund: Banken raten den Unternehmen, sich pauschal von den Aktionären frisches Kapital genehmigen zu lassen, um gerüstet zu sein, falls die Finanz- und Wirtschaftskrise auch 2010 noch andauern sollte. Das ist das Ergebnis eines Frankfurter Gesprächs des Handelsblatts, zu dem Investmentbanker und Berater zusammengekommen sind. "Gerade in der aktuellen Krise brauchen Unternehmen eine gute Eigenkapitalausstattung als Puffer", sagt Josef Ritter, Leiter des Aktienmarktgeschäfts bei der Deutschen Bank.

Erste Unternehmen haben bereits deutlich gemacht, dass sie sich auf den Hauptversammlungen frisches Kapital genehmigen lassen wollen. Daimler hat in seiner Einladung zur Hauptversammlung (HV) am 8. April unter Punkt 11 die Aufhebung der bestehenden genehmigten Kapitalia I und II und die Schaffung eines neuen Genehmigten Kapitals von bis zu einer Milliarde Euro genannt. Auch bei der Deutschen Post steht in der Einladung zur HV unter Punkt acht ein Vorschlag des Vorstands zur Schaffung neuen Genehmigten Kapitals. Etliche weitere Unternehmen dürften es ihnen gleichtun.

"Entscheidend ist, sich früh genug frisches Kapital zu besorgen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", sagt Ralf Nachtigall, der das Aktienmarktgeschäft bei der Investmentbank Rothschild leitet. Haben beispielsweise schon fünf weitere Unternehmen einer Branche Bedarf angemeldet, dann wird es für das sechste schwer, noch einen Geldgeber zu finden.

Dass diese Botschaft bei den meisten Gesellschaften angekommen ist, beobachtet Matthias Poth, Managing Partner bei der Kommunikationsberatung Hering Schuppener. "Es ist unglaublich, welchen Aufwand Unternehmen in diesem Jahr in der HV-Saison betreiben", sagt er. Das liegt an der besonderen Konstellation, dass in diesem Jahr vieles zusammen kommt: Zum einen haben die allermeisten Aktionäre wohl Geld verloren, des weiteren ist Wahljahr und zudem bringt die größte Rezession seit Jahrzehnten wohl auch den größten Kapitalbedarf seit Jahrzehnten auf Unternehmensseite.

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