Frankfurter wollen Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten ausbauen
Deutsche Börse greift Stuttgarter Euwax an

Die Deutsche Börse AG in Frankfurt plant nach Informationen des Handelsblatts, im Parketthandel ein zusätzliches Marktsegment für Optionsscheine und Zertifikate zu schaffen. Damit will sie der Stuttgarter Derivatebörse Euwax Marktanteile streitig machen.

FRANKFURT/M. Das neue Marktsegment der Deutschen Börse soll vergleichbare Standards haben wie die Euwax. Die Stuttgarter Derivatebörse ist mit einem Anteil von knapp 90 Prozent Marktführer bei Optionsscheinen. Bei Zertifikaten kommt sie auf einen Anteil von etwa 40 Prozent. Die Frankfurter haben bei Optionsscheinen einen Marktanteil von rund zehn Prozent, bei Zertifikaten von etwa 60 Prozent. Der Handel wird praktisch komplett über das Parkett abgewickelt. Es gibt zwar auch die Möglichkeit, dies über Xetra zu tun – „doch das Segment ist de facto umsatzlos“, die Privatanleger scheinen es zu ignorieren, sagt Christian Grabbe von Spütz Börsenservice.

Die Anforderungen an den bestehenden Parketthandel will die Deutsche Börse erhöhen, hieß es aus Marktkreisen. Für das neue Segment sollen darüber hinaus verschärfte Regeln gelten. Deutsche-Börse-Sprecher Walter Allwicher sagte, die Börse arbeite daran, „den Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten weiter zu verbessern“. Details wollte er nicht nennen. Stefan Armbruster, Derivatechef für Deutschland und Österreich bei ABN Amro, sagte, er wisse aus Vorgesprächen der Börse mit einigen Emittenten, dass die Einführung eines neuen Marktsegments beschlossen sei. Die Börse habe als Zeitpunkt Juni diesen Jahres vorgesehen. Optionsschein- Experte Alexander Klatt von der Citibank bekräftigte, dass es solche Pläne der Börse gibt. Weitere Emittenten und Händler bestätigten dies, wollten aber nicht genannt werden.

Angeblich haben die drei großen Spieler im Optionsscheingeschäft – Deutsche Bank, Citibank und ABN Amro – sowie die Commerzbank, die Dresdner Bank und Goldman Sachs an den Gesprächen teilgenommen und ihre Unterstützung signalisiert. Auch bei den sechs Skontroführern, die im Frankfurter Parketthandel in diesem Bereich bereits aktiv sind, sei die Börse auf „Wohlwollen“ gestoßen, berichtet Grabbe von Spütz Börsenservice, einem der großen Skontroführer. Angeblich plant die Deutsche Börse dazu in dieser Woche eine Pressekonferenz oder -mitteilung.

Zu den allgemeinen, künftig strengeren Anforderungen an den Optionsschein- und Zertifikatehandel in Frankfurt könnte Beobachtern zufolge eine Mistraderegelung gehören. Dabei geht es darum, wann ein Geschäft storniert werden kann. An der Euwax ist dies bereits Vorschrift. Außerdem dürfte eine einheitliche Systematik für Limit-Kontroll- Systeme geschaffen werden. Im Gegensatz zu Frankfurt gibt es an der Euwax bereits ein System, das Limitorders anzeigt. Als verschärfte Regel in dem neuen Segment könnten Emittenten und Maklern Mindestmengen für Kauf- und Verkaufangebote vorgeschrieben werden, hieß es in Marktkreisen; damit sollen Mindestgrößen an Liquidität sichergestellt werden.

Die Stuttgarter Derivatebörse Euwax „nimmt die Pläne der Deutschen Börse ernst“, sagte Thomas Spengler, Sprecher der Börse Stuttgart. Die Euwax als klarer Marktführer im Optionsscheinhandel sei ja in einer Positionen, in der man tendenziell nur Marktanteile verlieren könnte.

Einige Emittenten von Optionsscheinen und Zertifikaten sind ohnehin unzufrieden mit der Euwax. Ihnen ist etwa ein Dorn im Auge, dass die Euwax 2002 mit einem Ergebnis vor Steuern von 14,8 Millionen Euro einen Rekordgewinn erzielt hat – und ein wichtiger Anteil davon aus Eigenhandel stamme, also aus Kursdifferenzen, die zu Lasten der Anleger oder Emittenten gehen. Zudem ereifern sich Marktteilnehmer über die enge Anbindung der Euwax Broker AG und der Stuttgarter Börse. Ende 2002 hatte sich der Börsenverein, der 100-Prozent an der Stuttgarter Börse hält, die Mehrheit an der Euwax Broker AG gesichert. Beobachter befürchten, dass die Euwax Broker – die auf Gewinnsteigerungen abzielt – einen starken Einfluss auf die öffentlich-rechtlich organisierte Börse ausübt.

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