Frühindikator Börse
Warum die Kurse durchstarten

Üblicherweise bilden die Finanzmärkte Trendwechsel der Realwirtschaft sechs bis zwölf Monate vorher ab. Dieses Jahr nicht. Dabei fehlte es seit Sommer 2007 keineswegs an düsteren Szenarien. Doch ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Finanzkrise fand der Frühindikator Börse wieder zu alter Stärke zurück.
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DÜSSELDORF. Am Ende verteidigt die Börse doch noch ihren Ruf als zuverlässiger Frühindikator. Denn im März starteten die Aktienkurse durch und erreichten immer neue Höhen. Die Börse setzte damit inmitten der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte auf den Aufschwung. Als es darum ging, den Einbruch der Realwirtschaft vorherzusagen, hatte sie versagt. Als im Sommer 2007 ein Dutzend US-Baufinanzierer Gläubigerschutz beantragte, knickten die Aktienmärkte ein - aber nur vorübergehend.

Üblicherweise bilden die Finanzmärkte Trendwechsel der Realwirtschaft sechs bis zwölf Monate vorher ab. Diesmal nicht. Dabei fehlte es seit Sommer 2007 keineswegs an düsteren Szenarien: Fallende Häuserpreise drückten Konsum und Firmengewinne, weil der geringere Immobilienwert den Kreditrahmen für die oft hochverschuldeten Verbraucher einschränkte. Doch die Börse ignorierte die Zeichen. Erstens, weil Anlegern der historische Vergleich fehlte. Kaum jemand konnte beim Ausbruch der Immobilienkrise einschätzen, ob und wie faule Kredite die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Lange galten diese Verwerfungen als eine von der Realwirtschaft losgelöste Krise.

Zweitens orientierte sich die Börse an klassischen Konjunkturzyklen und lief so in die Falle. In der Vergangenheit zogen fast immer gesamtwirtschaftliche Störungen den spätzyklischen Bausektor in Mitleidenschaft - und nicht umgekehrt. Für Bankenkrisen als Folge einer Rezession gibt es viele Beispiele, für Konjunktureinbrüche als Folge von Bankenpleiten aber kaum.

Die Angst vor der Unsicherheit

Verzerrt wurde das Bild auch, weil die Verwerfungen im Finanzsektor auf eine robuste Wirtschaft trafen. Firmengewinne und-margen stiegen auf Rekordhöhe, Aktien waren günstig bewertet. Dies ließ hoffen, die Börsen könnten mit einem blauen Auge davonkommen. Der Sturz traf die Märkte ins Mark, weil die Börse als Frühindikator versagte. Das verunsicherte Anleger und verstärkte den Einbruch, weil Investoren Unsicherheiten mehr scheuen als Hiobsbotschaften.

Ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise fand der Frühindikator Börse zu alter Stärke zurück. In nur einem halben Jahr legten die Kurse weltweit gut 60 Prozent zu. Die Notenbanken verhinderten mit ihrer Niedrigzinspolitik den Zusammenbruch des Finanzsystems, die Regierungen stimulierten mit einer nie gekannten Ausgabenorgie die Konjunktur. Anleger wetten auf den raschen Aufschwung - und behalten recht. Im Herbst wuchsen die meisten Volkswirtschaften wieder.

Doch hinter der Rally steckt mehr: Weil die US-Notenbank ihren Zinssatz auf fast null Prozent senkte, haben viele Banken das risikolose Geschäft entdeckt: Institute mit guter Bonität leihen sich für Minizinsen von weniger als einem halben Prozent Geld für ein paar Monate und legen es in erstklassigen Staatsanleihen an. Diese werfen mehr Zinsen ab, als die Schuldner ihren Gläubigern zahlen müssen.

Da lohnt es sich, einen Teil des billigen Geldes in riskantere, aber renditeträchtigere Anlagen zu stecken: in Aktien. Und steigende Kurse animieren immer mehr Investoren, auf den Börsenzug aufzuspringen. Er wird erst stoppen, wenn die Notenbanken ihre Niedrigzinspolitik beenden und die Konjunktur doch nicht durchstarten sollte.

Kommentare zu " Frühindikator Börse: Warum die Kurse durchstarten"

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  • @Tim

    hey ;)
    ich sage ja nicht, dass eine fette brieftasche alles im leben ist, aber glaub mir, mit lässt es sich um einiges angenehmer leben...schonmal nen bentley SS gefahrn?..also ich schon und ich sage dir, das ist mehr als materielle befriedigung.

    ähm und ja, traurig ist das schon, dass so leute jetzt mit nichts da stehen, es gelingt eben nicht jedem sich an die spitze des systems zu arbeiten und die sache von oben zu betrachten...aber was wäre dein alternativvorschlag? GROßE REDEN SCHWiNGEN, AbER KEiNE iDEE WiE MANS bESSER MACHEN KÖNNTE. bist du sozialist? stell dir lieber mal eine welt vor, die im sozialismus versinkt...stehn da nicht die viel größeren obermacker, die von den leiden anderer profitieren?...im kapitalismus hat man wenigstens noch die chance sich hochzuarbeiten/ HOCHZUSPiELEN (;...wie auch immer.

    ich sage ja nicht, dass unser system fehlerfrei ist, wir leben ja auch nicht im paradies...und der kapitalismus ist auf jedenfall das kleinere übel.

    nach einem system zu suchen, das fehlerfrei ist, in dem es keine leidenden gibt und mit dem jeder zufrieden ist...wenn dir was einfällt beruf ich für dich nen exclusiven g8-gipfel ein...so schön mit champus und glitzer, ja? ;) nicht übel nehm bitte

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