Futures-Pionier Richard Sandor
Derivate für eine bessere Welt

Futures-Pionier Richard Sandor ist einer, dem in globalen Finanzkreisen sehr wohl Gehör geschenkt wird. Schließlich ist er der „Erfinder“ von Financial-Futures. Und jetzt sagt er dem jungen Markt für ÖkologieDerivate große Erfolgschancen voraus.

FRANKFURT. „Der noch junge Markt für ÖkologieDerivate verspricht zum größten Rohstoffmarkt der Welt zu werden.“ Das sagt kein Geringerer als Richard L. Sandor. Und Sandor ist einer, dem in globalen Finanzkreisen sehr wohl Gehör geschenkt wird. Schließlich ist er der „Erfinder“ von Financial-Futures. Ohne diese Finanztitel-Terminkontrakte – wie den Bund-Future – ist heute in der Finanzwelt ein modernes Risikomanagement kaum mehr vorstellbar.

Doch Sandor ist ein nach immer neuen Herausforderungen suchender unruhiger Geist. So kam es dazu, dass er zum geistigen Vater des Börsenhandels von CO2-Emissionsrechten wurde. CO2 (Kohlendioxid) ist einer der Schadstoffe, die für den Treibhauseffekt verantwortlich gemacht werden. Sandor hat vor Jahren die Chicago Climate Exchange (CCX) und nach dem im Jahr 2005 völkerrechtlich bindend gewordenen Kyoto-Protokoll auch die European Climate Exchange (ECX) gegründet, die mit einem Marktanteil von über 80 Prozent die weltweit größte Emissionsbörse ist. Während die USA keine verbindlichen Vorgaben zur Reduzierung von Treibhausgasen haben, ist das in Europa anders, wo für die nächsten Jahre klare Mengenziele vorgegeben sind.

Sandor war von seinen Ex-Kollegen in der Finanzwelt noch vor geraumer Zeit belächelt worden. Seine Idee, im Klima- und Umweltschutz marktwirtschaftlichen Prinzipien zu folgen und so „Mutter Erde“ retten zu wollen, stieß bei vielen Ökonomen auf Unverständnis. Die Umweltkatastrophen vergangener Jahre und die alarmierende Erwärmung der Erdatmosphäre haben jedoch allgemein die Erkenntnis für eine stärkere ökologische Ausrichtung der Weltwirtschaft reifen lassen. Die US-Weltraumbehörde Nasa hat kürzlich festgestellt, dass die Temperatur auf der Erdoberfläche im Jahr 2005 neue Rekorde erreicht hat.

Jetzt stehe die Wirtschaft in der Verantwortung, sagt Sandor im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und dass die Börse die ideale marktwirtschaftliche Einrichtung zur Lösung solcher Probleme ist, weiß keiner besser als Sandor. „Wir wollen Klimabörsen rund um den Globus gründen“, lautet sein Ziel.

Große Ambitionen hat Sandor auf der Produktseite. „Wir werden zwei neue Wasser-Derivate einführen“, kündigt er an. Ein Derivat beziehe sich auf die Situation des Wassermarktes im US-Bundesstaat New Mexico, ein anderes soll den Wasserstand der „Großen Seen“ im Nordosten der USA abbilden.

Eine andere Idee klingt angesichts der Gefahren des Vogelgrippe-Virus noch spannender: „Wir denken über die Schaffung eines Derivate-Kontraktes auf gefährdete Arten nach“, sagt Sandor. Es gelte, dem weltweiten Raubbau bei der Verschwendung von Roh- und Urstoffen und der Zerstörung der Natur Einhalt zu gebieten. Die CCX wolle soziale Anreize schaffen, um mit marktwirtschaftlichen Methoden zur Erhaltung der Artenvielfalt und der natürlichen Ressourcen beizutragen. „Das ist wie ein Traum. Wir retten Mutter Erde, schaffen ökonomische Wachstumsimpulse und machen zugleich unsere Aktionäre reich“, sagt Sandor, der seine Börsenaktivitäten in der in London gelisteten Climate Exchange zusammengefasst hat.

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