Geeignet für Mittelständler
Der Entry Standard etabliert sich

Trotz einiger Probleme ist das Einstiegssegment der Deutschen Börse für Mittelständler ein guter Platz für die ersten Gehversuche. Am Entry Standard sind mittlerweise mehr als 100 Unternehmen gelistet. Größter Wermutstropfen für die Anleger: die schwache Wertentwicklung des Segmentes.

FRANKFURT. Es ist salopp gesagt ein Haufen bunter Hunde, der sich im Entry Standard der Frankfurter Börse tummelt. Die Liste reicht vom Nanopartikelhersteller Neosino über den boomenden Finanzkonzern Altira bis hin zum Anlagenbauer Manz. Alle Branchen sind dabei. Trotz einiger Skandälchen hat sich das Nachfolgesegment des Neuen Marktes als „Trainingslager“ für den stärker regulierten Segmente des Kapitalmarktes etabliert. „Viele Firmen können hier erstmals Börsenluft schnuppern, Abteilungen wie Investor Relations aufbauen sowie die Rechnungslegung professionalisieren“, beschreibt Lutz Weiler, Chef der Investmentboutique Equinet den Sinn des Entry Standards für die Emittenten.

An den Start ging der Entry Standard am 25. Oktober 2005 als Reaktion auf den Erfolg des britischen Alternative Investment Market (AIM). Das Konzept: Wenig Regulierung und geringe Listingkosten. So muss ein Unternehmen im Entry Standard nur halbjährlich über den Geschäftsverlauf berichten. Die Zwischenberichte müssen anders als etwa im Prime Standard nicht in englischer Sprache vorgelegt werden und brauchen auch nicht den internationalen Rechnungslegungsstandards zu entsprechen, das deutsche Handelsrecht (HGB) reicht. Dadurch liegen die jährlichen Listingkosten bei rund 30 000 Euro.

Unternehmen im Prime Standard müssen dagegen mit mindestens 200 000 Euro rechnen. Außerdem hat die Börse alles getan, um Kleinanleger von diesem Segment fern zu halten. Die hatten sich nämlich am Neuen Markt die Finger verbrannt, was den Pleiten und Skandalen eine besondere Dramatik verlieh. Am Ende blieb der Börse nichts anderes übrig als die verbrannte Marke vom Markt zu nehmen.

Am Entry Standard sind mittlerweile mehr als 100 Unternehmen gelistet, monatlich kommen neue hinzu. Im Unterschied zu früher finden Skandale und Pleiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur wenn zum Beispiel der Nanopartikelhersteller Neosino mit Fußballprofis wie Roy Makaay wirbt, um Zweifel an der Wirksamkeit seiner Getränke zu zerstreuen, schaut die Öffentlichkeit kurz hin. „So bitter es ist, Pleiten, abgesagte Börsengänge oder gescheiterte Businesspläne gehören zum Alltag an der Börse dazu. Es spricht für eine gewisse Reife des deutschen Kapitalmarktes, wenn daraus nicht immer sofort eine Schlagzeile in der Boulevardpresse gemacht wird“, so Weiler.

Die meisten Mitglieder des Entry Standards sehen das Segment allerdings lediglich als Durchgangsstation. „Wir wollen nicht dauerhaft im Entry Standard bleiben, sondern uns auf 'erwachsenere' Börsensegmente vorbereiten“, so Peter Brumm, Chef des Vermögensverwalters Altira. Schließlich werde dann die Aktie für weitere Investoren – insbesondere aus dem Ausland – interessant.“

Größter Wermutstropfen für die Anleger ist die schwache Wertentwicklung des Segmentes. Der Entry-Standard-Index notiert nach einem kurzen Boom praktisch wieder auf dem Niveau von Ende 2005. Demgegenüber eilt der MDax für mittelgroße Unternehmen von Rekord zu Rekord und der Deutschen Aktienindex (Dax) ist auch nicht mehr weit von seinem Allzeithoch entfernt. „Offenbar machen doch einige Anleger einen Bogen um das Segment“, sagte ein Investmentbanker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%