Geldmarktfonds bevorzugt
Privatanleger halten nichts von Aktien

Deutsche Sparer sind laut Bankstrategen zu vorsichtig bei ihrer Investmentstrategie. Obwohl die Aktienmärkte unter dem Strich in diesem Jahr erneut kräftig gestiegen sind, packen Privatanleger ihr Geld überwiegend in sichere Anlageformen. Das meiste Kapital fließt dabei in Geldmarktfonds.

FRANKFURT. Im Juni fließt der größte Teil der Anlegergelder in Geldmarktfonds, wie Schätzungen der großen deutschen Fondsanbieter zu ihrem Absatz im laufenden Monat ergeben. Im Mai kam rund die Hälfte der netto zwei Mrd. Euro Zuflüsse zu Geldmarktfonds von Privatanlegern. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres haben sich die Investitionen in Geldmarktfonds laut Fondsverband BVI im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 16 Mrd. Euro vervierfacht. Und das obwohl Geldmarktfonds bereits 2006 stark gefragt waren. In Fonds mit Wertsicherung flossen ebenfalls Milliarden Euro. „Bei privaten Anlegern in Deutschland dominiert weiterhin der Save-Haven-Gedanke“, sagt Diana McKay, Chefin des Fondsdatenanbieters Feri Fund Markets. Im Gegensatz zu den europäischen Nachbarn wird das Geld hier zu Lande aus Aktien- und Rentenfonds abgezogen und in Geldmarktfonds sowie andere Produkte mit Kapitalgarantie investiert.

„Dabei sind die Aussichten für die Aktienmärkte weiter gut“, sagt Klaus Martini, globaler Chefanlagestratege für Privatkunden bei der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank präsentierte gestern ihren Kapitalmarktausblick für die kommenden zwölf Monate. Sie geht davon aus, dass der Dax bis Mitte nächsten Jahres um weitere rund 14 Prozent auf 9 000 Punkte steigt. Für Ende 2007 hat die Deutsche Bank das Kursziel auf 8 500 Punkte erhöht. Getragen werde der Aufschwung durch das von der Globalisierung beflügelte Wirtschaftswachstum. Dabei halte die globale Arbeitsteilung die Inflation strukturell niedrig. Zudem würden die Aktienmärkte durch die anhaltenden Fusionen und Übernahmen und die hohen Gewinne der Unternehmen gestützt. Es könne aber zeitlich begrenzte, deutliche Rückschläge geben. Deshalb sei es gut, auch mal Gewinne mitzunehmen oder abzusichern. Generell hält Martini das Umfeld aber für „zu positiv, um zum Rückzug zu blasen“. Die Privatanleger hätten allerdings als Investoren an Bedeutung verloren.

„Der jüngste Aufschwung am Aktienmarkt wird mit viel mehr Skepsis gesehen als vor sieben Jahren“, begründet Harald Norbisrath, Leiter Vertrieb Private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse (Fraspa), die Vorsicht der Kleinanleger. Folglich setzten sie zu stark auf Puffer-Produkte wie Zertifikate mit Kapitalschutz gegen fallende Märkte, um sich gegen erwartete Kurseinbrüche zu wappnen. „Grundsätzlich haben die Produkte ihre Berechtigung, aber es ist falsch, nur Sicherheit im Depot zu haben“, sagt Norbisrath. Viele gäben sich mit einigen Prozent Rendite zufrieden und merkten nicht, dass sie Ertrag verpassten: „Anleger verlieren den Blick für eine vernünftige Vermögensstruktur.“ Die Risiken würden überbewertet, Chancen nicht gesehen.

Seite 1:

Privatanleger halten nichts von Aktien

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%