Gemeinschaftsunternehmen der Börsen Frankfurt und Zürich: Derivatebörse „Alex“ strebt an Europas Spitze

Gemeinschaftsunternehmen der Börsen Frankfurt und Zürich
Derivatebörse „Alex“ strebt an Europas Spitze

Die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SWX setzen sich für ihr Anfang 2007 gestartetes Derivate-Joint-Venture ehrgeizige Ziele: „Bis 2012 wollen wir die führende Derivatebörse in Europa sein“, sagte Vorstandschef Marc Zahn dem Handelsblatt. Als erste Ziele für ihre europäische Expansion haben sich die Partnerbörsen Frankreich und Italien ausgeschaut.

FRANKFURT. Nach dem gescheiterten Versuch, mit den Börsen Paris und Mailand zu fusionieren, würde Frankfurt damit in deren Märkte eindringen. Zertifikate und Optionsscheine, sind in Deutschland vor allem bei Kleinanlegern beliebt und ein boomender 130-Mrd-Euro-Markt. In der Schweiz ist der Markt Schätzungen zufolge sogar 150 Mrd. Euro groß. Mit diesen Wertpapieren kann der Anleger mit kleinem Geld auf die Entwicklung von einzelnen Aktien und Indizes wetten. Der Löwenanteil des Handels findet zwar in Deutschland außerbörslich statt, aber wegen des Booms ist auch der Rest für die Börsen attraktiv. Das hat unter den deutschen Börsen vor zehn Jahren als Erste die Stuttgarter Börse begriffen. Frankfurt versucht seit Jahren mit steigenden Marketingbemühung den Marktführer einzuholen und hat sich dafür nun mit der SWX verbündet.

Der Beginn der Marketingschlacht mit Stuttgart und den ausländischen Konkurrenten stand aber unter keinem guten Stern. Der bereits verkündete Name der neuen, in Luxemburg beheimateten Börse „Alex“ musste zurückgezogen werden. Die Markenrechte waren bereits vergeben. Trotzdem nennt ganz Frankfurt das jüngste Börsenbaby bis auf weiteres „Alex“. Schließlich weiß dann jeder , was gemeint ist. „Frühestens im 2. Halbjahr 2007 werden wir einen neuen Namen für unser Projekt veröffentlichen“, sagte Zahn zur Namensdebatte.

Außerhalb der Schweiz und Deutschlands sind die Märkte noch nicht so weit entwickelt. Experten schätzen den französischen Markt auf rund ein Zehntel des deutschen. Dort ist der Handel per Gesetz vollständig an der Vierländerbörse Euronext angegliedert. Allerdings fällt der Börsenzwang, wenn Ende des Jahres die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid in Kraft tritt. Experten rechnen dann mit einem Wachstumsschub und einer Neuverteilung der Marktanteile. Zahn setzt zur Eroberung der Auslandsmärkte zum einen auf die Mifid, zum anderen auf das elektronische Handelssystem Xetra. „Durch das so genannte EU-Passporting, können Produkte, die in einem EU-Land gelistet sind, automatisch in allen anderen EU-Staaten vertrieben werden“, erklärt Zahn. Damit öffne man sich zahlreiche Märkte auf einem Schlag. Außerdem: „Alle größeren Banken in der Euro-Zone haben bereits Zugang zu Xetra. Die Hemmschwelle, den Derivatehandel auf ein bekanntes System zu verlagern, dürfte sehr gering sein.“ 2008 soll der Frankfurter Teil von „Alex“ vom Parkett auf Xetra übertragen werden, 2009 der Schweizer Handel auf Xetra wandern.

Gegenüber den Derivatehandel auf jetzt noch üblichen Parkettsystem Xontro habe die Nutzung von Xetra auch zwei praktische Vorteile. Die Banken könnten irgendwann einen An- und Verkaufskurs für alle europäischen Märkte stellen. Und: Anders als auf dem Parkett könnten Produkte in unterschiedlichen Währung gehandelt werden.

Banker und Konkurrenten sehen „Alex“ mit gemischten Gefühlen. „Wir werden Alex sicher nutzen, ob es am Ende Marktführer wird, hängt davon ab was etwa die Euronext bieten wird“, sagte ein Banker. In Stuttgart zeigt man sich kämpferisch: „Innovationskraft hat Stuttgart immer wieder ausgezeichnet“, sagte der dortige Börsenchef Christoph Mura, der bei Umstellung des Derivategeschäfts auf elektronischen Handel schon zum Jahreswechsel vollzogen hat.

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