George Soros: Zwischen Großzügigkeit und Größenwahn

George Soros
Zwischen Großzügigkeit und Größenwahn

George Soros ist alt, steinreich und hat einen legendären Ruf. Sein Geld verschafft ihm Gehör. Mit 82 Jahren kämpft der Milliardär für die Rettung des Euro und für sein eigenes Ego. Das Porträt eines Getriebenen.

George Soros kann es nicht lassen. Der alte Mann hat wieder auf dem Devisenmarkt mitgemischt, mit einer Wette gegen den japanischen Yen. Und das angeblich sehr erfolgreich. Eine Milliarde Dollar soll Soros mit dem jüngsten Absturz des Yen verdient haben. So berichten es Personen, die nahe an dem Starinvestor dran sin. Doch das Geld verdienen ist für Soros nicht alles, es ist vielmehr Mittel zum Zweck.

Der mittlerweile 82 Jahre alte Finanzjongleur ist ein Mysterium. Er hat einen legendären Ruf weit über die Finanzwelt hinaus und mehr Geld, als er in diesem Leben verprassen könnte, selbst wenn er sich noch so anstrengen wollte. Aus der operativen Führung des 25-Milliarden-Dollar-Familienhedgefonds Soros Fund Management hat er sich zurückgezogen. Doch George Soros sei nicht der Typ des netten Opis, der im Lehnstuhl sitze und mit den Enkelkindern spiele, sagt eine Freundin der Familie in New York. „George liebt das Drama, die Kontroverse, das Spiel mit dem Risiko.“

Soros ist gesundheitlich angeschlagen, aber nicht zu bremsen, er absolviert ein strapaziöses Pensum mit voluminösen Zielen: Er hat nichts dagegen, noch mehr Geld zu verdienen, als er ohnehin schon besitzt. Zum anderen engagiert sich Soros aber zunehmend politisch: Er will Griechenland retten, den Euro und die gesamte Europäische Union dazu, und obendrein auch noch die Volkswirtschaftslehre revolutionieren.

Jahr für Jahr nutzt George Soros dazu die Bühne des Weltwirtschaftsforums in Davos, um sich mit einer gezielten Provokation in eine der Hauptrollen zu drängen. Als Bösewicht lässt der schrullige Senior dabei am liebsten auftreten: das vermalemerkelte Deutschland.

Ende Januar war es mal wieder so weit. Soros dämonisierte Deutschland als Schuldigen eines heraufziehenden Währungskrieges. „Die Deutschen glauben an Einsparungen, der Rest der Welt glaubt an geldpolitische Lockerungen“, befand der Starspekulant. Die Regierung Merkel zwinge ganz Europa einen eisernen Sparkurs auf und mache damit den Euro kaputt, sagte Soros, es sei „einfach die falsche Politik“ und noch dazu eine, „die am Ende ganz Europa in die Krise treibt“. Von den Berggipfeln hallte ein internationales Medienecho zurück.

Dafür nimmt George Soros viel Geld in die Hand. Leistet sich ein ebenso weitreichendes wie einflussreiches Netzwerk auch in Deutschland, darin so prominente Figuren wie Ex-Außenminister Joschka Fischer und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Mit ihnen kämpft Soros für die Rettung des Euro, aber auch für sein eigenes Ego. Und für sein Vermögen? Wer sich mit dem Multimilliardär auseinandersetzt, erkennt einen Getriebenen zwischen Genius und Gier, Großzügigkeit und Größenwahn.

Als „klassisches Beispiel eines Parvenüs“ sieht ihn eine Weggefährtin. Als einen, der es von ganz unten bis nach ganz oben geschafft hat und doch nie genug bekommen kann. „Er ist nicht damit zufrieden, ein genialer Wirtschaftsmensch zu sein. Er hat den Ehrgeiz, auch als großer politischer Denker angesehen zu werden. Dabei entwickelt er einen messianistischen Eifer.“

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