Geringe Nachfrage
Börsengang von Deutsche Annington wackelt

Die Nachfrage nach den Aktien des privaten Wohnungseigentümers bleibt weiter hinter den Erwartungen zurück. Finanzkreisen zufolge soll das Volumen deutlich reduziert werden. Sogar eine Absage wird nicht ausgeschlossen.
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FrankfurtDer Börsengang des größten privaten Wohnungseigentümers in Deutschland wird Finanzkreisen zufolge zur Zitterpartie. Die Nachfrage nach den Aktien der Deutschen Annington sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nun versuchten die beteiligten Banken die Emission mit einer deutlichen Reduzierung des Volumens zu retten, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aktien sollten zu 18 Euro ausgegeben werden, am unteren Ende der Angebotsspanne.

Der Finanzinvestor Terra Firma, der mit dem Verkauf von Annington-Aktien mindestens 600 Millionen Euro erlösen wollte, müsste sich mit 250 Millionen begnügen, die Deutsche Annington selbst soll wie geplant 400 Millionen Euro einnehmen. "Aber auch das ist schwer zu realisieren", sagte ein beteiligter Banker. Eine Absage sei nicht mehr auszuschließen. "Am Ende muss Terra Firma entscheiden", sagte ein anderer Insider.

Eine Senkung des Ausgabepreises, den viele Investoren für zu ambitioniert halten, war im Terra-Firma-Umfeld ausgeschlossen worden. Von der Immobilienfirma war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Bis Dienstagmorgen hatten innerhalb der Preisspanne von 18 bis 21 Euro nur Aufträge für 80 Prozent der angebotenen Aktien vorgelegen, wie die Insider sagten.

Die Zeichnungsfrist für Annington lief um 16.00 Uhr ab, eine Entscheidung wurde für den Abend erwartet. In letzter Minute seien noch zahlreiche Orders eingegangen, hieß es in Finanzkreisen.

Doch für einen erfolgreichen Börsengang ist eine mehrfache Überzeichnung vonnöten, damit die begleitenden Banken auswählen können. Sie suchen in der Regel eine ausgewogene Mischung von langfristigen Investoren und kurzfristig orientierten Käufern, die für Bewegung in der Aktie sorgen. Am Mittwoch soll die Deutsche Annington ihr Debüt in Frankfurt feiern.

Das Bochumer Unternehmen mit seinen fast 200.000 Wohnungen braucht das Geld, um die Schulden so weit abzubauen, dass sie nur noch die Hälfte des Verkehrswertes der Wohnungen erreichen. Denn das ist die Voraussetzung für die nun in Aussicht gestellte "BBB"-Note der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), mit deren Hilfe die Deutsche Annington Anleihen und Schuldscheine ausgeben will. Damit will sie sich künftig billiger refinanzieren als mit den verbrieften Hypotheken-Darlehen (CMBS), die sie 2006 aufgenommen hatte. Ohne einen Börsengang müsste Terra Firma die Refinanzierung wieder auf neue Beine stellen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Immobilien sind kein Inflationsschutz, sondern eine Cashvernichtungsbombe. Warum? Ein Blick in die Zukunft genügt: Mangel an guten Handwerkern, Baupfuschrisiko und eine Reihe von Zwangsinvestitionen in Modernisierung und Instandhaltung die man in der Regel nicht auf die "einkommensschwachen" Mieter umlegen kann, zumindest nicht ohne riesen Geschrei! Vielleicht haben das die Aktionäre auch schon gemerkt und zeichnen deshalb keine Aktien.

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