Gewinnchancen
Bankaktien treiben die Börse in der Türkei an

Mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um fast 14 Prozent ist die türkische Wirtschaft im ersten Quartal 2009 in die tiefste Rezession seit 1945 gerutscht. Doch inzwischen scheint die Talsohle durchschritten - und die Börse Istanbul bietet Anlegern mit starken Nerven und Zeit gute Gewinnchancen.

ISTANBUL. Die Istanbuler Börse nimmt den Aufschwung bereits vorweg: Seit dem Jahrestief im März hat sich der Leitindex ISE-100 fast verdoppelt. Seit Januar ergibt sich immerhin ein Plus von 66 Prozent. Damit ließ der Index sowohl den MSCI Welt wie den MSCI Emerging Markets deutlich hinter sich.

Aktieninvestments in der Türkei verlangen allerdings starke Nerven und einen langen Atem: Die Börse gehört traditionell zu den weltweit volatilsten Märkten. So warnen Beobachter auch jetzt, nach der nun fast fünf Monate andauernden Rally, vor der Gefahr eines Rückschlags.

Die makroökonomischen Vorgaben seien jedoch weiterhin günstig, sagen Analysten. Wie schnell die türkische Wirtschaft eine Rezession hinter sich lassen kann, zeigte sich 2001: Im Jahr der großen Finanzkrise am Bosporus brach das BIP um 5,7 Prozent ein – um im Jahr darauf bereits wieder um 6,2 Prozent zu wachsen. Auch diesmal erwarten viele Volkswirte schon für 2010 ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent.

Nicht nur diese Aussicht hat in den vergangenen Wochen viele Investoren zum Einstieg bewogen. Auch die sinkende Inflation, die im Juli mit 5,4 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren lag, treibt die Kurse. Denn die türkische Notenbank hat wegen der gebremsten Teuerung Spielraum für weitere Zinssenkungen. Die Währungshüter haben den Leitzins seit November bereits um 800 Basispunkte zurückgefahren. Dass die türkische Lira trotz der Zinssenkungen im bisherigen Jahresverlauf gegenüber dem Euro stabil blieb, ist für ausländische Anleger ein zusätzlicher Anreiz, zu türkischen Aktien zu greifen.

Vor allem Bankaktien, die fast 40 Prozent des Leitindex ISE-100 ausmachen, gehören zu den Gewinnern der aktuellen Rally. Nach Berechnungen der Bankenaufsicht BDDK konnten die Geldinstitute in den ersten vier Monaten dieses Jahres ihre Gewinne um durchschnittlich 30 Prozent steigern. Dass die türkischen Banken die Finanzkrise ohne größere Blessuren überstanden haben, ist vor allem den Turbulenzen des Jahres 2001 zu verdanken. Nachdem damals Dutzende Privatbanken zusammenbrachen, führte die Regierung auf Drängen des IWF einen strikten Regulierungsrahmen ein, der sich nun bewährt.

Trotz der jüngsten Rally sind türkische Aktien noch günstig bewertet. Der Broker Is Investment errechnet auf Basis der für 2010 erwarteten Gewinne ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 8,0 für den Gesamtmarkt – 25 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Ein Investment in Einzeltitel ist für deutsche Investoren schwierig, weil türkische Aktien an den deutschen Börsen nicht gehandelt werden. Es gibt aber in Deutschland mittlerweile mehr als 20 Türkei-Aktienfonds. Auch vielen Emerging Markets- und Osteuropa-Fonds sind türkische Aktien beigemischt.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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