Gezielte Falschinformation
„Kursrakete des Monats“ per E-Mail

Derzeit sind Massen-E-Mails (Spam) im Umlauf, die zum Kauf so genannter „Pennystocks“ raten – Aktien mit einem Kurs von unter einem Euro. Gewinner dabei sind jedoch nur die dubiosen Drahtzieher der Kursmanipulationen, die damit mehr Geld als mit klassischen Erotik-Angeboten verdienen.

FRANKFURT. Dubiose Kaufempfehlungen per massenhaft versandter E-Mail (Spam) haben bei kleinen deutschen Aktien heftige Kursbewegungen ausgelöst und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf den Plan gerufen. Die BaFin gehe dem Verdacht auf Kursmanipulation und Insiderhandel nach, sagte eine Sprecherin. Derzeit untersuche sie auffällige Kursbewegungen bei acht Gesellschaften.

In den USA sind solch dubiose Kaufempfehlungen per Massenmail schon länger ein Problem. Erst kürzlich setzte die US-Börsenaufsicht SEC 35 kleine Werte bis zum 21. März vom Handel aus. Mittlerweile ist die Spamwelle auch nach Deutschland geschwappt. „Das Problem hat sich im letzten halben Jahr drastisch verstärkt“, sagt Frank Felzmann, Experte für Internetkriminalität beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Kam früher gelegentlich mal eine E–Mail am Tag, so seien es inzwischen zehn bis zwanzig. Längst sind es nicht mehr nur amerikanische Titel, die Anlegern hohe Gewinne vorgaukeln, wie die BaFin feststellt. „Seit Anfang des Jahres erhalten wir verstärkt Beschwerden, täglich werden es mehr“, sagte eine Sprecherin.

Das Schema ist immer gleich: Per Mail werden so genannte Pennystocks empfohlen, also Werte die weniger als einen Dollar oder einen Euro kosten. „Kursrakete des Monats“ oder „unbedingt kaufen, bevor der Kurs explodiert“, heißt es in den Schreiben etwa. Absender sind Phantasiefirmen wie „Deutscher Anlage Report“ oder renommierte Titel wie "Börse Online“, die missbraucht werden.

Nicht immer wissen die so angepriesenen Firmen von ihrem Glück. So empfahl am Freitag eine „Gesellschaft für Aktien-Analyse“ die Papiere der Realquadrat Immobilien AG zum Kauf und lockte mit „200% Gewinnerwartung in der kommenden Woche“. Die flaue Begründung: „Bei schwacher Dax-Performance werden kleine Werte wieder attraktiv.“ Tatsächlich stieg der Kurs um bis zu 30 Prozent, brach aber sofort wieder ein. Realquadrat-Vorstandschef Thomas Löhr fürchtet um das Ansehen seines Unternehmen. „Wir haben die BaFin informiert und um eine Untersuchung gebeten“, sagt er.

Seite 1:

„Kursrakete des Monats“ per E-Mail

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%