Griechische Börsianer
Keine Angst vor Papandreou

Der griechische Oppositionsführer Giorgos Papandreou plant den Linksruck: Gewinnt der Sozialist die Wahlen, will er Kapitaleinkommen stärker besteuern und strategische Unternehmen verstaatlichen. Bisher liegt er mit diesem Programm in den Umfragen vorne. Die Börse schreckt das nicht.
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ATHEN. Er will den „nationalen Reichtum umverteilen“, Großverdiener zur Kasse bitten, Immobilien, Kapitalerträge und Dividenden stärker besteuern – mit diesem Programm geht der sozialistische Oppositionsführer Giorgos Papandreou am Sonntag in die griechische Parlamentswahl. Bewahrheiten sich die Meinungsumfragen, wird er sie gewinnen. Die Anleger an der Athener Börse scheint die Aussicht auf einen Machtwechsel aber nicht zu schrecken: Der Leitindex Athex eilt von einem Jahreshoch zum nächsten. Seit dem Jahrestief im März hat er bereits um 82 Prozent zugelegt.

Dabei klingen nicht nur Papandreous Steuerpläne für Aktionäre bedrohlich. Der Sozialistenchef will auch Privatisierungen zurückdrehen, um dem Staat die Kontrolle über „strategische Unternehmen“ wie den Telekom-Konzern OTE, die Fluglinie Olympic und die Seehäfen zu ermöglichen. Doch die Börsianer sehen das offenbar gelassen. Seit der konservative Premier Kostas Karamanlis Anfang September vorzeitige Parlamentswahlen für den 4. Oktober ausrief, hat der Athener Index noch einmal zehn Prozent zugelegt.

Getrieben wird die Hausse vor allem durch die große Nachfrage nach Finanztiteln. Merrill Lynch, Credit Suisse und Chevreux stuften jüngst die Aktien der drei Branchenführer National Bank of Greece (NBG), Eurobank und Alpha Bank herauf. Dabei könnte gerade den Banken nach einem Machtwechsel Ungemach drohen: Papandreou geißelte im Wahlkampf, die Geldinstitute hätten nur die Profitinteressen ihrer Aktionäre im Blick, nicht aber die Nöte ihrer Schuldner.

Tatsächlich rutschte im ersten Halbjahr keine der großen griechischen Banken in die roten Zahlen. Die Institute haben sich dank ihres konservativen Geschäftsmodells in der Finanzkrise gut geschlagen. Sorge bereiten ihnen aber die Ausfälle bei den Verbraucherkrediten. Ende Juni war im Branchendurchschnitt bereits jedes zehnte Konsumentendarlehen notleidend. Bei den Immobilienkrediten liegt die Ausfallrate bei sieben Prozent.

Papandreou will im Fall seines Wahlsieges Zwangsversteigerungen erschweren und überschuldeten Verbrauchern einen Schuldenerlass ermöglichen, zum Beispiel durch die Einführung einer Privatinsolvenz, die es bisher in Griechenland nicht gibt. Für die Banken bedeutet das, dass sie sich auf weitere Kreditausfälle einrichten müssen.

Papandreou setzt auch auf eine größere Präsenz des Staates im Bankensektor. Die Privatisierungspläne für die staatliche Landwirtschaftsbank ATE und die Postsparkasse dürften nach einem Wahlsieg der Sozialisten erst einmal vom Tisch sein. Auch beim Branchenführer NBG könnte eine von Papandreou geführte Regierung versuchen, größeren Einfluss geltend machen. Der Staat hält über Pensionskassen und öffentliche Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung von rund 13 Prozent an der Bank.

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