Größte Emission seit Platzen der High-Tech-Blase
Google meldet den Börsengang an

Die Suchmaschine verdient ihr Geld vor allem mit Werbung. Yahoo und Microsoft sind die größten Konkurrenten.

je PORTLAND. Google Inc., die bekannteste und meistbenutzte Internet-Suchmaschine der Welt, will in einer Erstemission 2,72 Mrd. Dollar an der Börse aufnehmen. Einen entsprechenden Antrag reichte das Unternehmen aus Mountain View, Kalifornien, jetzt bei der US-Finanzaufsicht SEC ein. Die von Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston organisierte Emission ist die größte seit dem Platzen der High-Tech-Blase vor vier Jahren und nach Ansicht von Analysten der erste wirkliche Test für das Stehvermögen der jüngsten Hausse bei einigen Internet-Werten.

High-Tech-Experten sehen in dem Erfolg der Emission ebenfalls einen Test für das Geschäftsmodell von Google. Der einst technologisch weit führenden Suchmaschine sind inzwischen eine Reihe potenter Konkurrenten auf den Fersen, darunter Microsoft und Yahoo. Mit dem Gang an die Börse will Google nicht nur Gründer und Risikokapitalgeber reich machen, sondern vor allem die Kassen für verstärkte Forschung, die Entwicklung neuer Dienste und mögliche Akquisitionen füllen. Chief Executive Officer Eric Schmidt (49), den Analysten als „den Erwachsenen bei Google“ apostrophieren, führte bereits neue Dienste ein, um die Präsenz des Unternehmens im Internet zu erhöhen. Dazu gehört der kostenlose E-Mail- Service Gmail, der mit hoher, kostenloser Speicherkapazität lockt, jedoch wegen Werbung, die sich gezielt auf den Inhalt von Mails bezieht, in die Kritik geraten ist.

Google wurde 1998 von den bei-den Stanford-Absolventen Sergey Brin (30) und Larry Page (31) gegründet. Sie hatten zusammen seit 1995 Algorithmen für die Suche im Internet entwickelt. Die Gruppe ihrer Kapitalgeber umfasste Risiko-Kapitalisten wie Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caulfield & Byers ebenso wie das Internet-Portal Yahoo und Time Warners AOL. Analysten schätzen, dass Page und Brin zusammen über 40 Prozent der Anteile halten.

Google ist mittlerweile Teil des Sprachgebrauchs: „to google“ wurde zum gebräuchlichen englischen Verb für eine Internet-Suche. Der Marktanteil bei Internet-Suchen liegt bei 35 Prozent – und damit vor dem von Yahoo mit rund 30 Prozent. Hinzu kommt, dass die Google-Technik auch von anderen Internet-Firmen wie AOL und Amazon genutzt wird. Eine Zeit lang lief sogar Yahoo auf Google-Technik – nach der Akquisition von Overture und Inktomi hat Yahoo sich allerdings davon verabschiedet.

Mit der Anmeldung der Erstemission veröffentlicht Google zum ersten Mal Unternehmenszahlen, über die bislang nur spekuliert wurde. Im vergangenen Jahr verdiente das Unternehmen 105,6 Mill. Dollar bei Erlösen von 962 Mill. Dollar. Haupteinnahmequelle ist die Werbung, die zusammen mit den Suchergebnissen auf dem Bildschirm erscheint. Der Markt für diese Art der gezielten Internet-Werbung hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt und wächst auch in diesem Jahr nach Erhebungen der Marktforschungsfirma eMarketer zweistellig weiter.

Mit einem Anteil von 30 Prozent bei Internet-Suchen hat mittlerweile Yahoo in der Popularität kräftig aufgeholt. Microsoft lizenziert für ihre MSN bisher noch Yahoo-Technologie, entwickelt aber mit Hochdruck eine eigene Suchmaschine. Bereits die nächste Version des Windows-Betriebssystems dürfte eine eigene Suchtechnologie enthalten, und es wird befürchtet, dass dies nach dem gleichen Muster wie bei Netscape auch Google den Garaus machen könnte. Schmidt, der von Novell zu Google kam, gibt sich jedoch optimistisch. Der Werbemarkt auf dem Internet sei groß genug für mehrere Wettbewerber, sagt der Unternehmenschef.

Wo Google die Zukunft sieht, wird aus dem Angebot von Diensten wie dem Einkaufsservice Froogle oder Gmail deutlich: Die Suchmaschine will ein Portal wie Yahoo und MSN werden und so die Konkurrenz auf dem eigenen Felde schlagen.

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