Größter Börsengang 2003
Guter Börsenstart von Yell in London

Beim bisher größten Börsengang in Europa in diesem Jahr ist der britische Telefonbuchverlag Yell am Donnerstag in London mit Kursgewinnen gestartet. Einen Tag nach dem verpatzten Börsendebüt der Bank Austria stieg die Yell-Aktie über den Ausgabepreis von 285 Pence (4,08 Euro).

HB/dpa LONDON. Bis zum Nachmittag schmolz der Kurs allerdings von einem Höchststand von 306 Pence auf 292,75 Pence zusammen. Am Vortag war die Aktie der Bank Austria beim Börsengang in Wien um rund drei Prozent unter den Ausgabekurs von 29 Euro gefallen.

Insgesamt kommen 400 Millionen Yell-Aktien mit einem Wert von 1,14 Milliarden Pfund an die Börse. Die Nachfrage sei „enorm hoch“, sagten Händler. Bis zum Nachmittag wurden 19,6 Millionen Aktien gehandelt. Vor der Emission waren Yell nach Angaben aus Branchenkreisen sechsfach überzeichnet gewesen. Bis zum Donnerstag war der Bank- Austria-Börsengang mit einem Volumen von 960 Millionen Euro der größte in diesem Jahr in Europa. Die Yell-Aktienemmission ist für Großbritannien die bedeutendste seit zwei Jahren.

„Das Konzept von Yell ist gut und der Preis günstig und fair“, sagte ein Börsianer. Das Unternehmen sei profitabel, die Umsätze stiegen seit Jahren. „Yell ist in den vergangenen Jahren ordentlich gewachsen - eine gute Story“, sagte ein Analyst. Ein Kurs von rund 300 Pence sei deshalb gerechtfertigt.

Auch die Hoffnung auf einen Platz im britischen Leitindex FTSE- 100 stütze den Kurs, hieß es. Skeptiker warnten jedoch vor Rückschlägen: „Der Markt geht einer Konsolidierung entgegen, und das wird Yell kurzfristig auch zu spüren bekommen.“ Die Analysten von Citigroup Smith Barney gaben ein entsprechend verhaltenes erstes Kursziel von 260 Pence aus. Die Analysten vom Bankhaus Cazenove trauen dem Titel einen Kurs von 300 bis 320 Pence zu.

Nach dem schwachen Start der Bank Austria am Vortag, deren Kurs am ersten Handelstag in Wien um rund einen Euro unter den Ausgabepreis von 29 Euro gefallen war machen die Börsianer nun eine freundlichere Stimmung aus. „Yell ist für den deutschen und europäischen IPO-Markt ein gutes Zeichen“, sagte Aktienmarktstratege Christian Schmidt von der Helaba. „Der Kapitalmarkt ist nun wieder bereit zu investieren.“

Fondsmanager und Aktienhändler waren sich dennoch einig, dass „die wilden 90er mit Traumbewertungen und schnellem Geld“ vorbei sind.

Yell wollte ursprünglich bereits im vergangenen Jahr an die Börse gehen, hatte angesichts der schlechten Marktlage jedoch die Pläne geändert. Den Telefonbuchverlag hatte das Konsortium Hicks, Muse, Tate & Furst unter Beratung der Investmentgesellschaft Apax Partners im Mai 2001 für drei Milliarden Dollar (2,14 Mrd Pfund) übernommen.

Bei der Bank Austria hatten die Börsianer vor allem den hohen Ausgabepreis von 29 Euro bemängelt. Er sei angesichts der strategisch schwachen Position in Europa zu hoch gewesen. Nun ist offen, ob die Konzernmutter HypoVereinsbank die Mehrzuteilungsoption ausübt, die ihren Erlös aus dem Börsengang auf rund 1,1 Milliarden Euro steigern könnte.

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